Pawel, Piwo und Piroggen.

Auch in diesem Jahr begab sich, zum nunmehr dritten Mal, eine Reisegruppe aus Babelsberg zum antirassistischen Turnier unserer polnischen Freunde nach Thorn. (Torun)

Die Reisegruppe: Eine bunte Mischung aus Ultras, Zujezogenen, Nie-Wegjezogenen und Premnitzer- Tierarztalbträumen…..

Die Hinfahrt: An einem Donnerstagmorgen zuerst gediegen bis nach Frankfurt/Oder (dort natürlich den ersten Fascho zu Gesicht bekommen); gewundert, dass exakt 2 Verbindungen am Tag nach Polen fahren und im Zug nen Fi-Aufkleber im Abteil bestaunt. Die Fahrt (u.A. über Poznan-> Wir waren da, wo ward ihr? Lech-Lappen….) wurde länger und alkoholreicher; die letzte Zugstunde vor unserem Ziel lassen wir mal unter den Tisch fallen.

Die Unterkunft: Holzhütten auf einem Campingplatz, nur durch eine 1,2 Kilometer lange Brücke über die Weichsel von unserer Stammbar, beziehungsweise der sich angrenzenden Altstadt entfernt.

Die Stadt: Sei wirklich Jedem herzlichst empfohlen. Eine wirklich beeindruckende Anzahl an alten Gebäuden (vom Kirchturm aus kann man die ganzen Schönheiten überblicken), sowie eine lebendige Restaurant-, Kneipen- und Studentenszene sorgen für gute Laune. Mir persönlich gefällt diese 160.000 Einwohner-Stadt beispielsweise besser als Krakau……

Unsere Gastgeber: Auch wenn es ihnen meiner Meinung nach vielleicht etwas an Herzlichkeit fehlt, nötigt mir ihre Arbeit natürlich Respekt ab. Ihr „Nowawes“ hört auf den Namen „Pilon“ (zu deutsch:Bunker), ist geschätzte 40 qm groß und irgendwie urgemütlich.

Das Turnier: Beendete die Mannschaft mit den definitiv schönsten Bannern auf einem respektablen 6. Platz (von 29 Teams). Die 3-er-Gruppe wurde italienisch mit 1:0-Toren und 4 Punkten gemeistert, bevor das Achtelfinale dank des überragenden Schreiberlings mit 2:0 gewonnen wurde. Wie auch im letzten Jahr scheiterten wir nach unglücklichem Verlauf im Viertelfinale (0:1). Ansonsten muss man auch mal kritisieren: Für den schlechten Platz kann keiner was, das ganze Drumherum ist jedoch etwas zu rudimentär in meinen Augen. Ein einziger Stand und weit und breit kaum Infomaterialien sorgen doch für einige Langweile zwischen den Spielen.

Die Rückfahrt: Hartplastikschalen und ozonschichtzerstörende Ausdünstigungen eines Eincellers waren die einzigen Abwechslungen einer ereignislosen Heimfahrt, im Laufe welcher sich Lech erneut nicht am Bahnhof zeigte…..

Sonstiges: „I`m married“ wurde in „Hallo, mein Name ist Maria“ umgedeutet, der Zloty ist deutlich schwächer geworden. Das größte Kuriosum am letzten Abend: Ein ob der Langeweile von mir scherzhaft angekündigter Naziangriff ereignete sich in Real circa 15 Minuten nach den von mir gesprochenen Worten, folglich wurden wir auf erhöhte Aufmerksamkeit betreffs des Heimweges angewiesen. Und noch etwas an unsere Hammer-und-Sichel-Fraktion: Diese Symbolik ist bei den dortigen Antifas genauso verpönt wie das Hakenkreuz, sollten sich ein paar Personen mal durch den Kopf gehen lassen……

Alles in Allem eine wirklich gelungene Tour, ein Dank und 10 Zloty gehen raus an unseren nimmermüden Reiseführer Pawel.

Wegjeflogen……

hiess es für meinereiner am letzten Tag des Märzes, Ziel: Das Land der Träume (nein, nicht Sachsen-Anhalt), die Vereinigten Staaten. Nach einer 7-stündigen Verspätung gegen 21 Uhr in Miami (Florida) gelandet, ging es sogleich vorbei an den ersten „Hansa-Hools“-Schmierereien in das von meiner sich bereits dort befindenden besseren Hälfte ausgewählten Domizil am Rande der 800.000-Einwohnerstadt.

Ich weiss bereits, was sich in euren Hirnwindungen entdecken lässt: USA? „Feindesland“ (Ultra des Fi99), „wo hast du das Geld her, Scheisswessie“ (Tenor in der Stadtteilkneipe) oder „oooooooouhhhhhhh, coooooooooool“ (der sehr kleine Rest). Auch ich ward von ersterem Gefühl geleitet, muss mich aber etwas revidieren…dazu später mehr.

Bis auf einen kulturell-wertvollen Besuch der ältesten Stadt, samt Kastells, der USA, St. Augustine (sehenswert!), waren die folgenden Tage also geprägt von wunderbarem Strand, wunderbar klar-blauem Wasser und dem Beobachten von Tieren (Delfine, Rochen), welche in der Nuthe eher selten den Weg an die Wasseroberfläche finden. Der Golf von Mexico gewann hierbei nach Punkten gegen den Atlantik (rund um Miami), obgleich dieser einen heftigen Punktabzug erleiden musste: Nach 4 Tagen völliger (und geruhsamer) Abstinenz des Teutonentums trägt der erste erblickte Deutsche am Strand von Naples welchen Schriftzug auf der Mütze? „Werkself“…..der Tag war solange im Eimer, bis meine Freundin des Abends einen unerlaubten „U-Turn“ tätigte und wir filmreif von einem US-Streifenwagen verfolgt und gestoppt wurden: „Don`t open the door, stay in the car….you have made an illegal u-turn!“ Danach überprüfendes Leuchten auf die (vermeintlichen) Leichen auf der Rückbank; die Knarre schon entsichert. Im Auto 2 Deutsche ohne jeglichen Ausweis (alles im Hotel) und Fahrerlaubnis-> just in dem Moment der anfliegenden Panik die Erlösung: Der Blick aufs Namensschild verriet, dass wir es tatsächlich (und ungelogen) mit Sergeant „S. German“ zu tun hatten….selbstredend konnten wir unsere Fahrt unbehelligt weiterführen.

Die 2. Hälfte des Urlaubes sollte aus einer 5-tägigen Kreuzfahrt, startend von Miami über die Karibik zurück nach Miami, bestehen….beinahe wäre es wirklich beim „sollte“ geblieben, da die Fahrt vom Norden seine Tücken hatte. Die chronologische Reihenfolge des Geschehens in Zitaten: 1.“So, wir haben in Miami sogar noch 3 Stunden Puffer, wir müssen spätestens 15.30 Uhr auf dem Schiff sein.“ 2. „Was ist denn das für ne Riesenwolke da vorne?“ 3.“ Truck in Flammen? Na gut, haben ja noch 3 Stunden Zeit!“ 4. „Fuck Fuck, Fuck, die Drecksamis kriegen auch nix geregelt, in Deutschland wäre nach ner Stunde schon wieder alles frei!“ 5. „Ah, du, du….es geht weiter. Puh, der Puffer ist hin….aber ok…Moment, fuck, die leiten uns zurück!!!“ 6. „Wir sind hier irgendwo im Niemandsland, hier ist nur nen Indianerreservat….das Navi findet auch nix: Scheisse!!“ 7. „Da, das Navi zeigt was an: Ankunft am Schiff 16.38 Uhr…das langt niemals: los, aufs Gaspedal!“ 8. „Hui Schatz, 180 bei erlaubten 90……man darf eigentlich gar nicht in diese Reservate rein….aber egal: Vielleicht schaffen wir es noch!“ 9. „Das hier soll ne Straße sein?“ 10. „Jetzt noch durch Miami….vielleicht warten sie ja doch!!“ 11. „You`re late“-„Ach nee.“ 12. „Geschafft!“ Ein Blick in eure Gedanken:  „Wo hast du das Geld her, Scheisswessie“. Anders als in Deutschland sind Kreuzfahrten in den USA wirklich für Jung und Alt, sogar tendenziell eher für Jung. Nach einem angenehmen Seetag bei 28 Grad (für die Umrechnung in Fahrenheit braucht man übrigens einen Doktortitel: 25 Grad=75 Fahrenheit, jedoch waren 5 Grad mitnichten 15 Fahrenheit…es führt zu weit) erreichten wir am 3. Tag die Halbinsel Yukatan (Mexico). Neben Sinnlosangeboten gab es auch die Option des Besuches einer Maya-Stätte auf eben jener Halbinsel. Nach einer ereignislosen Fahrt erblickte man sogleich die Touri-Abzocke-Buden (samt großer Juwelierhalle) und erreichte nach 10-minütigem Fußmarsch die, für Mayaverhältnisse, 900 Jahre jungen Bauten von „Tulum“. Die großen Menschenströme muss man einfach ausschalten und sich auf diese fantastischen Bauten fokussieren. Die exponierte Lage der diversen Tempel und Ballspielplätze am hellblauen Meer steigerte das Wohlbefinden in fast unerreichbare Höhen….traumhaft. Gespannt ob die Maya-Ruinen von „Xunantunich“ (Belize) am nächsten Tag diese Erfahrungen toppen, begaben wir uns bereits kurz nach dem Anlegen des  Schiffes in Belize-City auf den einzigen „Highway“ des kleinen Landes, über welches wir im Bus noch einiges erfahren konnten: Keine Insel, 300.000 Einwohner (darunter 35.000 eingewanderte streng religiöse Mennoniten und Mormonen), große Städte Belize City (80.000 Einwohner, in den 60gern fast komplett zerstört), Belmopan (künstlich aufgebauschte Hauptstadt) und San Ignacio (Zentrum des Mayagebietes), sie spielen Football ohne Schutzkleidung und haben irgendwann im Fussball gegen Kanada mit 2:0 gewonnen. Fast bis zur Grenze nach Guatemala gelangend, erhaschte man in der 2-stündigen Fahrt sehr viele Eindrücke dieses Landes, welche geprägt waren von einer gewissen Armut, einer tollen Natur und der entspannt wirkenden Bevölkerung. Auffallend auch: Das Verhältnis Kirchen-Menschen lag bei gerade einmal 1:3, das Verhältnis (kaputte) Autos-Menschen bei knapp 7:1. Nachdem auf einer kultigen Holzfähre per Handbetrieb auf die Seite der Mayaruinen übergesetzt wurde, wurde das Plateau, stilsicher mit vor 33 Grad schützender Nulldreikappe, von uns betreten. Welch Anblick: Mitten im Dschungel gelegene, begeh- und besteigbare(!!!) Mayatempel, von der Sonne gekitzelt und nur von uns wenigen Schiffsausflüglern in ihrer Ruhe gestört. Ich fühlte mich wie Hansa-Fans vor einer weißen Wand mit einem Eimer Farbe in der Hand;-). Ernsthaft; sicherlich eines meiner persönlichen Top3-Urlaubserlebnisse. Nach einigen Schnappschüssen, dem Erklimmen des 25 Meter hohen Haupttempels und dem Bewässern des Plateaus mit literweise Eigenschweiß verließen wir diese Traumstätte in Richtung Schiff, nicht ohne unterwegs an einem halbverfallenen Fußballstadion vorbeizufahren-> zu meinem Erstaunen weder Mufuwaspi, noch der Fuchs oder Majogappa in Sicht.

Die letzten Tage auf dem Schiff und einen kurzen Prä-Flug-Trip zum Miami-Beach genossen, ging es, diesmal nur mit 5 Stunden Verspätung, zurück nach Deutschland.

„Mann, ist der Text endlich vorbei?“

Nein, hier noch der ultimative Klischeecheck:

1. Amis fahren nur große,überflüssige Autos!-> Ja.

2. Amis umgibt eine vorgeheuchelte Freundlichkeit, welche man nur als unecht und störend empfinden kann!-> Jein, wahrscheinlich ist einiges gekünstelt, jedoch oftmals wirklich Höf-und Freundlichkeit. Und selbst wenn nicht, ist es partiell eine schöne Abwechslung zum „Wat wollnse denn?“-Verhalten der lokalen Ureinwohner.

3. Die Amis rennen wie bescheuert in ihre Kirchen, von welchen man an jeder Ecke eine findet->Ja.

4. An jeder Ecke in den USA gibt es Fast Food, welches von den Amis überproportional genutzt wird und diese nach einigen Jahren auch überproportional in Erscheinung treten lässt.-> Ja, Begründung: Selbst kochen ist unwesentlich billiger.

5. Weiße reich-Arme schwarz-> Joa, die „Reichenstrände“ jedenfalls waren weißer als die Weste von Unger bei Elfmetern.

Danke fürs Lesen!

Groundhopping in England und Schottland

El Capoera und meine Wenigkeit zogen uns letzten Montagabend (1.2.) das Spiel zwischen Sunderland und Stoke City rein….zwar liess unser Terminplan eh nichts anderes zu, aber ich war aufgrund des Rufes von Sunderland („eines der lautesten Stadien“) voller Vorfreude und muss nun konstatieren: Man hat ja schon viel über den Zerfall der Fußballkultur in England gehört, aber dass es so schlimm ist, hätte ich nie angenommen. Wenn Stimmung aufkommt, dann nur intervallartig für circa 9 Sekunden. Man sieht fast nur Männer zwischen 30 und 60 im Stadion, für eine ausgeprägte Jugendkultur ist es wohl schlichtweg zu teuer (im relativ armen Nordosten kostet die billigste Karte 22 Pfund). Alles ist sauber und rein und die massigen Stewards sorgen auch dafür, dass dies so bleibt. Eigentlich ist, außer kurz(!!) aufstehen und atmen, alles mehr oder minder verboten. Wegen nichts und wieder nichts wurden insgesamt 6 Stoke-Fans seitens der Stewards aus ihrem Block gezogen, ohne einen Ansatz von Gegenwehr der knapp 300 Gästefans….um es kurz zu machen: Eine gelebte Horrorvision meinerseits von Fußball in Deutschland (und eigentlich überall), zumal das Spiel auch 0:0 endete.

Partiell besser wurde es am nächsten Tag beim schottischen Pokalhalbfinale zwischen den Hearts of Midlothian und St.Mirren in Motherwell. Zunächst ist das Stadion ein richtig geiles, verfallenes enges Teil und kann daher schon gegenüber dem Neubau in Sunderland einige Punkte gutmachen. Die äußerst alte Machart auch des Einlassbereiches verhinderte jedoch knapp das Spiel vor Zuschauern, da ein nicht näher genannter Sixt-Mitarbeiter sich schier hoffnungslos im engen (zumindest für diese Person und meinereiner) Zugangsbereich verfangen hatte. Mitten bei den Hearts-Fans wurde der, natürlich, Sitzplatz eingenommen und wir schnupperten die Atmosphäre……naja: 15.000 passen rein, geschätzte 11.000 waren da und machten, siehe England, intervallartig Stimmung. Die St. Mirrener (knapp 5.000), sogar mit einem Banner „Supras“ und einer kleinen Choreo, waren hierbei Punktsieger. Um uns herum gab es, neben den ewigen „Fuck“-Rufern, 3-4 Personen, welche, mit Wehmut in den Augen, die Masse zu mehr Stimmung animieren wollten….doch alsbald versanken sie in ihren Sitzen und träumten wohl von der schönen alten Zeit.Verdienter Sieger war St. Mirren auch auf dem Platz, der einzige Schuss mit der Innenseite (dies ist kein Scherz!!) brachte den Sieg. So ausfallend der Torjubel, so lachhaft die „Feierlichkeiten“ nach dem Spiel: Abpfiff, ich gehe kurz zur Toilette, zücke nach dem Hände-waschen erwartungsfroh die Digitalkamera und was erwartet mich beim Hinaustreten der Lokalität; dreimalige Fassungslosigkeit: Zunächst die in den Augen des Stewards, wie kann ich denn bitte 2 Minuten nach Abpfiff noch im Stadion sein? Dann die Fassungslosigkeit in den Augen meines Begleiters („Det gloob ick nich!“) und schließlich erfasste mich Diese auch…..auweia.