Und wir haben ein Idol…….

Ihr wollt einen Spielbericht von der Klatsche gegen den Dilettantenverein BAK? Dann bitte umschalten, hier wird sich mehr mit dem Drumherum beschäftigt. Irgendwie war ja jedem im Vorhinein klar, dass das eine stimmungsmäßige Katastrophe werden würde, einfach aufgrund der Anstoßzeit, des beschissenen Gästeblocks (diesmal links hinterm Tor-> noch beschissener) und der leider erneut mangelnden Motivation außerhalb des Stimmungsblocks. Nee, machte keinen Spaß, zumal auch der Heimverein (Nummer 3 in Berlin…) erneut organisatorische Mängel noch und nöcher aufzeigte. Gut, Plan B, in der Halbzeitpause Suff bei Netto und schön auf die Holzbänke davor fletzen. Unterhalten von 3 stockbesoffenen Dänen, hernach orientierungslos durch die Gegend irrenden Ultras (der Bahnhof ist rechts) und einer unsererseits gesprengten „Performance“ irgendwelcher bekloppter Künstler war das dann der Startschuss für einen sehr unterhaltsamen Abend mit 25 Leuten in einer sehr geilen Uraltkneipe, „Bekloppter Heinrich“ oder so. Live Dart (woonnnhantrettenteidiiiiiiiii), live Fußball (Erster Fußballclub Köln!), live Billard und Livehuldigungen von, na klar, Harald Juhnke sorgten für einen großen Unterhaltungswert, auch und gerade unter den Augen eines weiteren Gastes aus Frankreich. Kinder, das war schön. Und da auch die S-Bahn Heimreise kurios von statten ging, („Weckt mich bitte in Babelsberg“-„Hört auf mich zu wecken, ihr Ficker!“) war das Spiel endgültig passe‘.

 

PS: Bis jetzt konnte noch kein Döner aus Berlin dem Döner meines Heimstädtchens das Wasser reichen. Tipps erwünscht.

Wind of Change im Karli

 

Zu Zeiten, als die DDR West-Berlin noch fest umgürtete, gab es weit im Westen der Frontstadt, direkt an der Mauer in Spandau, ein Irrenhaus. Wenn gelegentlich ein Insasse zurück in die Freiheit wollte, dann sprang er auf der Rückseite Richtung Westen in den Osten. Das war keineswegs irre, denn vorn wäre er gleich wieder eingeliefert worden. Aber es war doch verwirrend mit dem gleichzeitigen Osten und Westen. Das fanden auch die DDR-Grenzer, die solche illegalen Grenzübertritte nicht gewohnt waren.

Ähnliche Verwirrungen gibt es im Fußball. Da kann man beispielsweise nie verlieren und doch nach unten durchgereicht werden. Dies Paradox kennt man gut in Babelsberg. Bevor man daran irre wird, dachte sich die Mannschaft wohl, als es am vergangenen Freitag im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion gegen die Zweite von Erna ging, spielt man nach vorn, gewinnt, holt drei Punkte und braucht sich nicht kirre machen zu lassen. Und so liefen, spielten und kombinierten sie die ersten 30 Minuten munter und höchst ansehnlich. Immer Richtung Westen auf das Tor des Charlottenberger Traditionsvereins, selbst eine Ikone West-Berlins und fast so weit Westen wie Spandau, quasi Vorort, wenn der Name Spandauer Vorstadt nicht schon vergeben wäre. Und dessen Mannen merkte man an, dass sie noch daran zu knabbern hatten, nach Süden in den Osten gefahren zu sein. Die Führung für Nulldrei (Steinborn) war daher nur eine Sache der Zeit.

Nach dem Seitenwechsel war zu spüren, wie froh unsere namenlosen Gäste (hat man dort kein Geld für ordentliche Trikots?) waren, nun endlich auch nach Westen spielen zu dürfen, heimwärts gleichsam. Gerade drei Minuten vergingen bis zum Ausgleich, und nach abermaliger Babelsberger Führung (Cubukcu) brauchte man dazu nicht einmal 60 Sekunden. Nun schien das Gespenst von der unbesiegten Talfahrt wieder die Runde zu machen und die Beine unserer Jungs zu lähmen.

Doch in den Schlussminuten kam ein Wind von historischer Dimension auf. Als wolle man den Mauerfall vor einem Vierteljahrhundert feiern, berannten die Unsrigen das Tor im Osten. Unheil ahnend, warfen sich die Gäste einer nach dem anderen jammernd zu Boden, doch so war der Lauf der Geschichte nicht aufzuhalten. Während Cem dem Schicksal nicht zu trauen schien und in der Nachspielzeit noch einmal auswechselte, machte die Kurve mobil und skandierte ohne Unterlass „Los jetzt ihr!“ und dann „Los jetzt hier!“ – eine Verschiebung ähnlich wie weiland vom „das“ zum „ein“. Auf jeden Fall eine unmissverständliche Ansage: Hic Rhodos, hic salta!

Beflügelt von solchen Chören, setzten sich die Babelsberger in der gegnerischen Hälfte fest, drangen in den Strafraum ein und ließen sich dort umhauen. Eine Provokation? Vielleicht, aber so genial geschickt, dass auch der Funktionär an der Seitenlinie resigniert, aber redlich (das muss man ihm lassen) die Fahne hob. Noch war unklar, was folgen sollte, obwohl die Entscheidung schon getroffen war. Der Schiri, in dieser Situation ein Wiedergänger Günter Schabowskis, eilte zur Außenlinie und befragte seinen Zettel (hier der Assistent). Ein letzter kollektiver Aufruhr (Rudelbildung), um das Unvermeidliche doch noch zu verhindern. Und dann die zunächst zögerliche, doch schließlich bestimmte richtungsweisende Handbewegung. Der Sturm auf das Tor ist freigegeben! Elfmeter! Ernas fulminanter Torwächter hat keinen Zettel und keine Chance. Verwandelt (Shala). 3:2!

Dass sich die Geschichte wiederholt, hat schon Marx gewusst, der von Fußball keine Ahnung hatte. Und was einmal politischer Ernst war, kann durchaus zum Lustspiel reifen, zum Beispiel am letzten Freitag im Karl-Liebknecht-Stadion, als der Jubel keine Grenzen mehr kannte und noch einmal den gesamten Ostblock ergriff, der heute nur noch Kulisse ist. Ebenso wie Ost und West. Über die Revolution allerdings werden wir demnächst zu reden haben.

 

Zu Tode kombiniert

Die Hinfahrt nach Neustrelitz wahrhaftig unspektakulär (wobei eine 4-Jährige mit dem Lieblingslied „Hurra, die Welt geht unter“ schon rockt) mit dem Auto zurückgelegt, auf der B96 etlichen toten Waldbewohnern ausgewichen und überpünktlich das Stadion erreicht. Dort muss offenkundig gespart werden, wurden 2 der 3 Dixieklos wohl outgesourced-> eine ziemliche Frechheit. Kurios bleibt weiterhin der Rasenstehplatz hinter dem Gästeblock und das selten dämliche Maskottchen.

Tja, das Spiel selbst zeigte erstaunliche Parallelen zu den letzten Jahren-> Nulldrei stets gefährlich und spielstark, vor dem Tor wie immer ohne Killerinstinkt. Bestimmt 20 Pässe wurden aus dem gegnerischen Strafraum in den Rückraum gepasst, 19 davon waren unnötig. Mensch, einfach mit der Pieke dran, drin das Ding. Mach ich doch auch nicht anders, sobald ich aufgrund meiner körperlichen Konstitution bei Freizeitturnieren von diesen Ultrajungspunden trotz 6 Meter Vorsprungs eingeholt werde. Gute Spielzüge und schnell vorgetragene Konter gab es haufenweise, der „Lucky Punch“ fehlte. Wenigstens mussten wir in diesem Spiel, welches ernsthaft eher 2:4 ausgehen musste, kein Gegentor hinnehmen. Dennoch die Punkte 5 und 6 (nach Luckenwalde und Bautzen) verschenkt.

So, und jetzt wird richtig gepöbelt. Kann ich schon die bloße Anzahl von 18(!) Zugfahrern aus Babelsberg kaum nachvollziehen, wurde es im Gästeblock noch schlimmer. Ohne USP hätten 10 Leutchen 3 Minuten vor sich hin geträllert, so waren es 25 Leutchen und 17 Minuten. Ich kann auch nicht verstehen, wie manche Gruppen, die sich zurecht als Teil der aktiven Szene sehen, alle Spiele fahren und dann wenig oder nie supporten. Und da es keine 60 Fi`ler gibt und wir als Gruppe auch nur zu 9% anwesend waren (und damit ein Teil des Problems und nicht der Lösung darstellen), ist halt eben nix mehr mit Stimmung.  Ist es das jetzt? Bei unattraktiven Spielen vor sich hin dödeln und nur bei Jenazwickaubfc aus sich herausgehen? Puh.