Spielbericht 03-Union II

Die Offenbarung des Torwarts

 Es gibt Momente, da muss man kein religiöser Mensch sein, um eine Offenbarung zu haben. Um in einem einzigen Augenblick zu verstehen, was man jahrelang nicht begriffen hat. Etwa was es mit der Behauptung von Marx auf sich hat, dass der Mensch sich gegenüber dem Tier durch seine Antizipationsfähigkeit in der Arbeit auszeichne. Zwar, sagt Marx in seinem berühmten Biene-Baumeister-Beispiel, könnten viele Architekten der Biene beim Bau von Behausungen nicht das Wasser reichen, aber eines hätte selbst der dusseligste Baumeister noch der geschicktesten Biene voraus (und zwar im Wortsinne): Er weiß um das Arbeitsergebnis, weil er noch vor Beginn der Arbeit eine Vorstellung des Resultats im Kopf hat.

Wie vertrackt das ist, konnte man im Karli am vergangenen Samstag in der letzten Minute des Spiels gegen die Eisernen sehen. Ja, es offenbarte sich, als ein Unionist den Ball bienengleich auf der rechten Seite nach vorne trieb und aus dem Halbfeld hoch in Richtung Strafraum drosch. Also bienengleich jetzt nicht tierisch (diffamierend), sondern emsig. Fleißig wie die Bienen. Und das hatten sie ja auch nötig, die Roten, fleißig sein, nachdem sie zwischenzeitlich null zu drei zurückgelegen hatten.

Nun, zu diesem Zeitpunkt hätte es der rechte Läufer durchaus ruhiger angehen können. Denn da hatten sie schon zwei Tore aufgeholt. Aber er war gierig, und also wuchtete er den Ball Richtung Elfmeter.

Und während die Flugbahn noch ansteigend ist, scheint unser Keeper die Marxsche Theorie der Arbeit verstanden zu haben. Anders ist sein sekundenbruchteiliges Zögern nach dem Schuss des übereifrigen Berliners gar nicht zu erklären. Und die Kurve sieht es, sie fühlt, was das Zögern bedeutet. Man kennt das ja vom Esszimmer, wenn man den Tisch abräumt. Da hat man die Teller so schräg aufeinander getürmt, dass es ein Grausen ist. Und alles wackelt, und man stellt noch ein Schälchen drauf, und man weiß, dass man keine fünf Schritt weit kommen wird, und dann wird alles in Scherben liegen und das Geschrei wird groß sein. Und man geht trotzdem los.

Und während der Ball höher steigt und der Keeper zögert, spürt die Kurve genau, was er durchmacht. Dass er das Resultat seiner Handlung antizipiert und weiß, dass er ins Leere greifen wird, obwohl noch nichts ausgemacht scheint. Die Kurve versteht und schweigt.

Nicht so der Fußballexperte, den würde das jetzt gar nicht kümmern. Für ihn gilt: Wenn der Torwart rausgeht, muss er den Ball haben. Das ist die ewige Wahrheit des Experten, der nur noch Zwecke, aber keinen Sinn mehr kennt. Aber unsern Keeper schert dieser Neoliberalismus nicht, ihm sind die Zwecke einerlei. Er strafft sich, und während die Flugbahn des Balles ihren Scheitelpunkt erreicht, macht er erste Schritte Richtung Elfmeterpunkt, wo sich schon ein Knäuel erwartungsfreudiger Spieler gebildet hat.

Unser Keeper scheint regelrecht froh über diese Zusammenrottung, denn in den vorangegangenen fünfzehn Minuten hat er erleben müssen, wie seine zuvor so souverän aufgetretenen Kameraden nach den beiden Gegentreffern ganz fahrig wurden. Angst essen Viererkette auf. Und so standen sie zu sechst auf einer Linie und konnten doch die Pässe in die Schnittstellen nicht verhindern.

Der Ball senkt sich. Die Kurve schwitzt. Sie weiß, dass unser Keeper danebengreifen wird, und weiß, dass der Keeper das auch weiß. Aber der Keeper weiß auch, dass er sich dem Schicksal nicht entziehen kann, dass er springen muss, auch wenn er danebengreift. Und die Kurve begreift die Tragödie und formt schon die Lippen zum Chor.

Der Keeper springt. Er greift ins Leere. Das war klar.

Aber jetzt die Überraschung. Der Ball plumpst auf den Kopf eines Unionisten. Doch die haben kein Goldköpfchen dabei, sondern nur einen blanken Arsch. Und der taugt gar nichts, nicht nur in dieser Situation (und belegt wieder einmal, dass nicht alle Vereine die Fans haben, die sie verdienen). Sie bräuchten einen wie Jule Prochnow oder Seve Mihm, die das Leder kühl zum eins und zwei null eingenickt haben, oder einen wie Tobias Grundler, der sich für Torwartgeschenke wenigstens anständig bedankt. Aber die geben die Blauen nicht her. Und schon gar nicht jetzt für das tragische Fallobst. So hält ein Roter seine Birne hin, und der Ball fliegt aufs Tor. Und um Zentimeter vorbei.

Wer hätte das gedacht. Der Keeper nicht, die Kurve nicht und auch der Marx nicht. Der hätte gesagt, dass das mit seiner Theorie gar nichts zu tun hat und auf die Theorie der unbeabsichtigten Nebenfolgen des Handelns verwiesen. Aber das ist uns jetzt wurscht. Ganz egal. Und wir feiern auch nicht die Sieger, sondern den, der das Schicksal herausgefordert hat – und bitten den Keeper auf den Zaun. Unvergessen: 3:2!

Aktionstag zum Thema Asyl- & Flüchtlingspolitik

BABELSBERG 03 und seine aktive Fanszene zeigen, dass beim Verein Integration nicht nur auf dem Papier steht, sondern auch wirklich gelebt wird. Als erster aktiver Profifußballverein in Deutschland gibt es seit Juli diesen Jahres ein vereinseigenes Team, bestehend aus Flüchtlingen mit dem Namen „Welcome United Nulldrei“.

Um auf die aktuelle Situation von Flüchtlingen in Deutschland aufmerksam zu machen, veranstaltet BABELSBERG 03, zusammen mit dem FC Lampedusa (Flüchtlingsteam aus Hamburg), dem Fanprojekt des FC St. Pauli und dem Fanprojekt Babelsberg sowie in Kooperation mit Viva con Agua St. Pauli (Local Crew Potsdam & Zelle Berlin), am 18. Oktober 2014 einen Aktionstag im Karl-Liebknecht-Stadion in Babelsberg.

Neben dem sportlichen Vergleich wollen wir an diesem Tag auch über die Situation von Flüchtlingen in Deutschland informieren. Eingeladen sind Vereine wie Amnesty International, Pro Asyl, Kein Mensch ist illegal, Flüchtlingsräte und Projekte aus Berlin und Brandenburg sowie weitere Initiativen die sich gegen Rassismus und Homophobie sowie für Toleranz und ein buntes Miteinander engagieren. An Infoständen werden unsere Partner über ihre Arbeit informieren.


Der Aktionstag flankiert den kommenden Heimspieltag unserer Equipe gegen die Reservemannschaft des 1.FC Union Berlin. Die Regionalligapartie markiert somit auch den Startpunkt des Programms.

Im Anschluss an das Spiel der Blau-Weißen hat unser Welcome-United-Nulldrei-Team seinen Auftritt. Unsere Mannschaft tritt gegen den FC Lampedusa aus Hamburg an. Spielort wird der Kunstrasenplatz im KarLi sein. Beide Mannschaften trainieren seit längerer Zeit und werden einen sehenswerten Fußball präsentieren.

Die Verbindung von Nulldrei zum FC St. Pauli ist kein Geheimnis. Zum Ende des sportlichen Teils werden daher schlussendlich Fanvertretungen des FC St. Pauli und von BABELSBERG 03 im freundschaftlichen Vergleich auf Torejagd gehen. Die Partie wird ebenfalls auf dem Kunstrasenplatz ausgetragen.

Damit ist der Abend jedoch noch nicht beendet. Neben dem oberen Trainingsplatz wartet ein tolles Bühnenprogramm auf die Gäste. Den Anfang macht der Berliner Rapper -PyroOne-. Nach einer kleinen Umbaupause ist dann Punk angesagt. Die nicht ganz unbekannten -Radio Havanna- werden die Bühne rocken. Als Highlight des Abends wird das Irie Révoltés Soundsystem die Bühne entern. Wir danken allen Künstlern für die Unterstützung unseres Projekts!


Allgemeines: Es wird an diesem Tag verschiedene Soliaktionen geben. Wir wollen mit dem Geld unter anderem unser -Welcome-United-Team- unterstützen. Während des ganzen Tages findet eine Pfandbecheraktion statt. Jeder Becher wird mit einem Euro Pfand versehen. Als Pfandmarke bekommt der Besucher einen Button. Da es verschiedene Buttons geben wird, können diese gesammelt oder inkl. Becher zurückgegeben werden. In zweitem Fall erhält man natürlich seinen Pfand zurück.

Zudem werden überall Spendenboxen und Büchsen postiert. Wer möchte, kann auch Geld spenden.

Wer den Eintritt für die Regionalliga-Partie Babelsberg 03 vs. Union Berlin II entrichtet oder eine Dauerkarte besitzt, hat freien Eintritt zu den Konzerten am Abend. Wer ausschließlich die Konzerte besuchen möchte, bezahlt am Abend an der Kasse 5 Euro + Solibeitrag. Der Solibeitrag ist selbstverständllich frei wählbar.

Ab 23:00 Uhr startet dann die Aftershowparty im Archiv Potsdam. Hier erwartet den Besucher Musik aus den goldenen 80er und 90er Jahren.

Alle Flüchtlinge haben an diesem Tag freien Eintritt!


Der aktuelle Ablaufplan sieht folgendes Programm vor:

13:30 – 15:15 Uhr SV Babelsberg 03 gegen 1. FC Union Berlin II 15:45 – 17:30 Uhr Welcome United Nulldrei gegen FC Lampedusa Hamburg 18:00 – 19:00 Uhr Fanteam Babelsberg 03 gegen Fanteam FC St. Pauli

Bühne im Stadion

18:30 – 19:15 PyroOne 19:45 – 20:30  Radio Havanna 21:00 – 22:00 Irie Révoltés Soundsystem

Sattes Grün, auffälliges Schwarz

So, da sind wir wieder in Lichterfelde, beim FC Viktoria Berlin. Diese Saison einmal nicht zum fanfreundlichen Flutlichtereignis, sondern zum familienfreundlichen Nachmittagsgekicke bei wärmender Oktober-Sonne. Ich bin in dieser Sache ja selbst sehr uneins, aber aufgrund der optimalen Bedingungen am gestrigen Tag doch hocherfreut über die familiäre Begleitung.

Apropos perfekte Bedingungen. Diese galten augenscheinlich lediglich für meine selbst gewählte Anreise und alles, was noch vor dem Stadiontor war. Mit Betreten des durchaus charmanten Rundes konnte umgehend mit dem Abhaken der Meckerliste begonnen werden:

Wo sind denn die Toilettencontainer der Vorsaison hin? Wieso stehen da viel zu wenig Dixis herum, an der sich regelmäßig eine Schlange bildete, garniert und scharf bewacht von penetrant herumstehenden, schwarz gekleideten, staatlichem Sicherheitspersonal? Wieso gilt dieses Spiel überhaupt als Sicherheitsrisiko? Wer ist dieser sog. „Sicherheitsrisiko“ und wo kommt der her? Warum braut der „Sicherheitsrisiko“ nur halbprozentiges Bier? Und wieso spart man hier an sanitären Einrichtungen zugunsten eines sichtachsenbehindernden Zauns, der hübsch hässlich um den gesamten Gästebereich gezogen ist – natürlich im schönen schwarz?

Und das Schärfste noch zum Schluss: Wieso geht der Greenkeeper nicht seiner eigentlichen Berufung nach und mäht das Geläuf auf fußballübliche, sondern auf spielverderberische, knietiefe Höhe? Von Mahd kann hier keine Rede mehr sein! Klarer Fall von Wuchs. Wohlgemerkt: Gut sah er ja aus, der Rasen. Schön satt und grün. So manch Kleingärtner erstarrte vor Neid. Unser Team dagegen bekam mit fortschreitendem Spielverlauf eher schwere Beine. AHA! Klares, hinterhältiges, aber gewieft taktisches Vorgehen seitens der Gastgeber, um unser leichtfüßiges, auf dominanten Ballbesitz ausgelegtes Spiel zu unterbinden – oder mindestens, um das eigene Unvermögen zu kaschieren. Gar nicht mal so dumm…

Hätte ja auch fast geklappt. Die 1:0 Führung für Viktoria resultierend aus einer Standardsituation, die Ümit gekonnt ins Netz des ehemaligen Arbeitgebers nickte. Naja, seine Zeit bei Nulldrei ist ja auch schon länger her. Und so bemühte sich unser Team redlich, mit dem Platz Freundschaft zu schließen, um das eigene Spiel besser in den Griff zu bekommen. Gelang dann auch etwas stocherhaft nach Ecke von rechts durch Lukas Albrecht. 1:1. Das war dann auch der Endstand.

Eigentlich hätte ich noch etwas auf meiner Meckerliste, aber ich verwende hier einmal lieber ein viel schöneres Stilmittel. Kommen wir also zur fanseitigen Unterstützung – dem Support: Leute! Was für ein Knaller! An die 800 Nulldreier_innen, gefühltes Heimspiel. Die Emotionen und Begeisterung sprudelten nur so heraus. Ich war nach der ersten Hälfte von der Vielzahl an Hüpf- und Klatscheinlagen so fertig, dass ich mir die zweite Hälfte in großer Vorfreude am Rund hinterm Tor anschaute. Außerdem klingelten meine Ohren von dieser derben Lautstärke in Halbzeit eins. Und was soll ich sagen? Halbzeit zwei überzeugte noch mehr! Chorische Gesangseinlagen, Wippen, Hüpfen, Klatschen – einfach super!
OK… Ironie off. Satz mit X: Das war scheiße! Es kann doch nicht sein, dass das Team und die Kurve nur an Freitagabenden unter Flutlicht funktionieren. Das nächste Mal bitte Kopf an, Augen auf, Mund auf, Arme hoch, auch wenn Sonntag ist!

Achso. Noch einen kleinen Gruß an Mister Amore: Eisdielen-Hopping ist keine Entschuldigung für das Fernbleiben eines Nulldrei-Auswärtsspiels direkt vor den Toren Babelsbergs!!!

Meckerliste abarbeiten: Check.

Freitag, 10.10.2014, 19.30 Uhr – Landespokal in Luckenwalde rocken!
Achtet auf die Nordkurven-Mobi!