„Wir haben länger Verspätung, als Tebe auswärts fährt!“-Von einer legendären Fahrt.

Freitag Abend, ich bin eigentlich krank und huste vor mich hin. Das letzte mal fuhr ich 2001 solch eine lange Strecke mit dem Zug zu einem Auswärtsspiel, die Motivation ist im Keller.

Samstag, 4.27 Uhr: Ich raffe mich auf, grummele so daher und begebe mich doch zum Bahnhof. Gut so!

Bereits die Hinfahrt versprach einiges, alkoholgetränkte Späße über die Fanprojektler samt Vereinen (Tebe und Meppen?!?) und so manche Dummlaberei inklusive. „Scheiß Sankt Pauli“ hallte es über den Osnabrücker Bahnhof (übrigens exakt so schön wie die restliche Stadt…..um Gottes Willen), insgesamt fanden sich 60 Hamburger Freunde im Gästeblock ein. Letzterer übrigens ohne „richtiges“ Klo für Männer, habe ich so bisher auch nur in Moldawien erlebt. Zum Spiel gibt es nix zu sagen, wir werden halt absteigen. Der Support jedoch, getragen aus über 100 Kehlen, stellt laut der Meinung vieler, selbst das legendäre erste Burghausenspiel in den Schatten. Ich hatte öfter Gänsehaut, das war ganz großes Kino, mehr geht nicht, Wahnsinn. Dachte ich nun, das Highlight für den Tag erlebt zu haben, folgte nun eine nicht minder erinnernswerte Rückfahrt, in welcher

– Tebe weiterhin gedisst wurde

– sehr verwirrte Menschen in Osnabrück uns fragten, wie Preussen Münster gespielt hat?

– Ein Zug unsererseits gekapert wurde („Genug ist genug, uns gehört der Zug!“)

– Der Zug vom Bahnpersonal zurückgekapert wurde

– Die angestimmten Lieder zur allgemeinen Belustigung führten

– Fußballfans (igitt) in Hannover zustiegen und die Bullerei kurzzeitig verwirrt schien

– „unterlikört“ als Wort des Jahres gekürt wurde

– einige Hosenpausen eingelegt wurden

– ein Typ in Wolfsburg auf unsere Frage nach dem eventuellen Auftauchen der „Weekend Brothers“ antwortete:“Pffft, die sind schon lange im Bett!“

– eine Schneeballschlacht in Stendal gehörig ausartete, die mehrmals (zufällig…hüstel) getroffene Bullerei es jedoch mit sehr viel Humor nahm („Hauptsache ihr steckt keine Autos an, da hamwer schlechte Erfahrungen mit!“)

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Einfach nur geil. Danke an Alle.

 

Boulette für 7,89 €

Dank Väterchen Frost wurde der erste Versuch unseres Auswärtsspiels in Darmstadt bekanntlich abgesagt. Nun stand der zweite Versuch an. Mittwoch, 19 Uhr, Kälte, 550 km Anreise und ein Kampfpreis von 23 € – da sollte sich doch ein Bus vollbekommen lassen. Hoffte ich zumindest.
Da die Reise gen Westen bereits um 10 Uhr morgens starten sollte, wurde kurzerhand für den gesamten Mittwoch Urlaub eingereicht. Nachdem zusammen mit anderen fleißigen Händen die Brötchen geschmiert und als Superspezialsonderangebot Bouletten gebraten waren, gings gut gelaunt und fast pünktlich zum Bus. Dort folgte die erste Ernüchterung: Gerademal 23 Hansel_innen wollten mit. Netter Nebeneffekt: Reichlich Platz im Gefährt. Leider war selbiges dadurch mal wieder völlig unterfinanziert. Somit mussten Wege gefunden werden, den Leuten möglichst elegant und subtil das hart verdiente Geld aus den Taschen zu ziehen. Das hat unter anderem mit der Ausrufung von Solipreisen auf alles auch ganz gut funktioniert – an dieser Stelle mal DANKE an alle, die irgendwie ihre Kohle gegeben haben, um die Lücke wenigsten ein bischen zu schließen!
Die Fahrt verlief entspannt. Sehr entspannt. Was könnte denn erwähnenswert sein…? Nette Gespräche. Das ein oder andere perlende Getränk. Unfassbar schlechte Musik. Ach ja…das Tippspiel! Kurzerhand wurde ein solches veranstaltet. Einsatz 1 €. Beim richtigen Tipp durfte/n der Sieger / die Siegerin / die Sieger die Hälfte des eingezahlten Geldes behalten der Rest ging in die Buskasse. Die eingetragenen Ergebnisse reichten von konsertiv bis hin zu recht mutig. Zwei Leute setzten sogar auf einen Sieg der Lilien! Der Lynch-Mob konnte nur knapp zurückgehalten werden.
Glücklicherweise hatte viele Rhein-Mainer anscheinend noch nen Kamelle-Schädel und die Autobahnen um Frankfurt (Main) waren erstaunlich leer. Das hatte zur Folge, dass wir bereits um 17 Uhr am Stadion eintrafen. Irgendwie musste nun wieder Zeit totjeschlagen werden, wozu das örtliche Schützenhaus geentert wurde. Kleiner Hinweis am Rand: Sollte mal jemand versuchen, euch ein Damstädter Pils anzudrehen, sagt freundlich aber bestimmt: NEIN, DANKE! Also, schnell wieder zurück zum Stadion. Dieses ist mit seiner großen Stehplatz-Gegengerade absolut sehenswert und rangiert jetzt bei mir auf Platz 3 der schönsten Stadien der 3. Liga (nach dem Karli und Saarbrücken). Wie in Wiesbaden war auch an diesem Abend Verlass auf die Gäste, die aus der um liegenden Region anreisten. Somit konnte die Zahl der Zuschauer_innen im Gästeblock immerhin mehr als verdoppelt werden! Vielen Dank und beste Grüße an euch!
Zum Spiel selber brauche ich nicht viele Worte verlieren. Man hat gemerkt, dass sich die beiden schlechtesten Offensiv-Abteilungen der Liga gegenüberstanden und warum die Mannschaften im Keller der Tabelle stehen. Bei Nulldrei lief wenig zusammen und die Ölf wirkte seltsam verunsichert. Hätte die Mannschaft ansatzweise ihr Potential abgerufen, wäre auf jeden Fall ein Sieg drin gewesen. Jaja, ich weiß…hätte, wäre, wenn und so. Trotzdem schade, denn der eine Punkt hilft nur bedingt weiter. Auf den Rängen ein ähnliches Bild. Der Support teilweise bemüht, aber wirklich gerissen haben wir auch nichts. Immerhin sah es auf Lilien-Seite nicht besser aus.
Die Rückfahrt verlief analog zur Hinfahrt. Einzig die Auflösung des Tippspiels sorgte noch einmal für Spannung. Eine Person, nennen wir sie R., hatte tatsächlich soviel Fußball-Sachverstand bewiesen und auf das recht unwahrscheinliche Ergebnis 0:0 gesetzt. Respekt dafür. Und nochmehr Respekt dafür, dass der Gewinn (natürlich völlig freiwillig) an die Buskasse gespendet wurde! Mein Tipp lag leicht daneben. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Unterstützt die Partizan Minsk-Tour 2013!

Es gibt in Weißrussland einen ganz besonderen Fußballclub. Bis 2010 hieß er MTZ-Ripo.Der Verein erlangte internationale Aufmerksamkeit nicht so sehr durch seine sportlichen Erfolge, sondern vor allem durch das antirassistische Engagement seiner Fans und eine aktive antifaschistische Fankultur, die in Osteuropa einzigartig war und ist. Heute nennt sich der Club Partizan Minsk und ist ein selbstverwalteter Fußballverein. Die Fans haben ihn nach der Insolvenz im Frühjahr 2012 neu gegründet. Dabei wurden sie durch eine internationale Solidaritätskampagne unterstützt, die zu Beginn des vergangenen Jahres in zahlreichen Aktionen auf die Situation von Partizan Minsk aufmerksam machte und Geld für die Rettung sammelte.

Der Verein startete mit 24 Spielern, zwei Trainern, einem Arzt und neuem Personal in der Geschäftsstelle in der vierten Liga, der Minsker Stadtliga. Alle Aktiven, bis auf die Trainer,engagieren sich ehrenamtlich. Die erste Saison wurde erfolgreich abgeschlossen. Die neue Saison steht schon in den Startlöchern. Zuvor stellt sich das Team von Partizan Minsk vom 17. bis 22. März seinen Unterstützer_innen im Rahmen einer Solidaritätstour in Deutschland vor. Es finden Freundschaftsspiele gegen Tennis Borussia Berlin, Victoria Hamburg, St. Pauli, Roter Stern Leipzig und Babelsberg 03 statt. Der junge Club Partizan Minsk wird mit seinem kompletten Kader inklusive Vereinsführung und Fans nach Deutschland kommen. Die Tour wird von Informationsveranstaltungen in Berlin, Hamburg und Leipzig begleitet.

Wir, ein Bündnis aktiver Fans von Babelsberg 03 und St. Pauli, vom Roten Stern Leipzig sowie den Fußballclubs Tennis Borussia Berlin und Victoria Hamburg, möchten Euch das Team von Partizan Minsk vorstellen und beweisen, dass die Idee von einem anderen Fußball auch im Osten Europas lebt. Dafür benötigen wir aber Eure finanzielle Hilfe.

Bitte unterstützt uns und spendet auf folgendes Konto:

Empfänger: RoterBaum ev Leipzig
BLZ: 86020500 (Bank für Sozialwirtschaft)
KTN: 3474500
Verwendungszweck: Bildungsreise

Empfänger: RoterBaum ev Leipzig
IBAN: DE49850205000003474500
BIC: BFSWDE33DRE
Bank: Bank für Sozialwirtschaft
Verwendungszweck: Bildungsreise

Im März heißt es dann Fußball gucken, informieren und mit den Gästen Spaß haben. Kommt zu den Spielen und besucht die Infoveranstaltungen!

Gemeinsam für Partizan Minsk!
Ein anderer Fußball ist möglich!

In Halle, in Halle, …

Auch mit ein wenig Abstand bin ich mir nicht so recht sicher was ich nach dem Halle Spiel so schreiben soll. Der Zug nach vorn war da, allein getroffen wurde nichts. Aber von Anfang an. Zur besten Auswärtsfahrerzeit, morgens um halb 10, machte ich mich, wie etliche andere, auf zum Lutherplatz um einen der beiden Busse zu besteigen. Pünktlich auf Höhe der Raststätte  Michendorf wurde, getreu dem Motto  „Kein Bier vor Michendorf“,  das erste Hopfengetränk genossen. Nach unzähligen Pausen auf der 140km kurzen Strecke, trafen wir uns mit dem Berliner-Bus kurz vor Halle. Zur Stadt Halle bleibt eigentlich nur zu sagen „Halle eben“. Dank dieser Stadt verlor ich auch noch ein Bier an Zack, denn unglaublich aber wahr Halle hat etwa 1000 Einwohner mehr als Magdeburg und Zack hatte wiedermal recht.

Angekommen am Stadion war ich zunächst überrascht, denn das alte Stadion welches im Gästebereich den Charme eines Gefängnisses versprühte, war einer seelenlosen  Blechdose gewichen. Nicht der Bau eines neuen Stadions überraschte mich, das war ja lange bekannt, aber sein Aussehen schon. Nun zwingt grade die 3. Liga die Vereine dazu Profibedingungen zu schaffen, die praktisch nichts kosten dürfen und von daher war es sicher das Beste was aus einem Bau der so günstig wie möglich sein musste rauszuholen war. Im Block angekommen bemerkten viele aber einen großen Vorteil, es scheppert gewaltig in der Blechdose.  Ein lautes „Wir sind Zecken“ zu Beginn des  Spiels und ab ging es.

Die Blauen machten sich auch frisch ans Werk und stürmten fleißig gen Hallesches Tor und ich war drauf und dran meine negative Grunderwartung zu überdenken. Doch plötzlich gelingt Halle ein wirklicher und vernünftiger Angriff und dann zappelt das Runde im Eckigen. Mist! Was danach passierte war einfach zum Heulen. Nulldrei bemühte sich redlich, konnte sich aber nicht belohnen. Als dann auch noch zur 60. Min. (glaub ich) ein Platzverweis erfolgte war meine Hoffnung praktisch dahin. Die Blauen entwickelten zwar immer wieder Zug zum Tor (gerade nach der letzten Einwechslung) aber zum stellenweisen Unvermögen zu treffen kam auch noch Pech dazu. So war meine Stimmung mit dem Abpfiff auf einem Tiefpunkt angelangt. Abstiegsplatz.

Ja es sind zwei  Spiele weniger, allein der Glaube an eine Kehrtwende während einer englischen Woche fehlt. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zu Letzt. Nun heißt es Daumendrücken für das Nachholspiel gegen Darmstadt heute, falls es denn stattfindet.

In diesem Sinne

… allez les bleus!

 

P.S.: Ich habe lange überlegt was ich zur „Demo -Tapete“ aus dem Halleblock schreibe. Treffendes ist mir nicht eingefallen, allerdings hat Erich Kästner einen schönen Satz geprägt.

An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.

Also liebe Fans des HFC – schön an die eigene Nase gefasst.

Das ist mein Babelsberg!

Keine 40 Minuten nach einer frustrierenden, unverdienten Niederlage vor stimmgewaltiger Nordkurve, respektive flummymässig auf und ab hüpfenden (wenigen) Gästen aus Heidenheim bietet sich in einer Kleingartensiedlung eben jenes Bild, welches die für Außenstehende nicht greifbare Faszination an Nulldrei ausmacht:

Friedlich vereint sieht man hier Munker, Bierholer, Antifas, Ultras, Rhomben, Scortesis, Zujezogene und sonstigen Pöbel. Ein jeder weiß, dass es hier in den folgenden Stunden kein böses Wort, keine sinnlose Diskussion geben wird. Jeder wird selbstverständlich integriert, sei er nun über 70, Gast aus Marseille oder einfach nur völlig fußballunaffin. Es wird gescherzt, gelacht, angestoßen, gefeiert. Die Musikauswahl, irgendwo zwischen Ostalgie, Achtziger und Punkrock, lässt das Tanzbein schwingen. Für jeden gibt es mindestens ein nettes Wort und so mancher lehnt sich für einen kurzen Augenblick zurück, legt das zufriedenste Lächeln auf und denkt: „Wo ist das sonst noch möglich? Wo? Das ist mein Babelsberg!“