Sonnenbrand und drei Punkte

Schön warm wars an diesem vierten Sonntag im Juli 2010.

Für einige zu warm wie die geröteten Hautpartien  – insbesondere Hälse, Nasenspitzen und Unterärme – noch lange bis nach Spielende bewiesen.

Rot und ein wenig weiß waren auch die Spieler der Zweiten aus München…

Weiß vor Schreck eben diese bereits nach 2 gespielten Minuten als Robert Paul

seinen Kopf benutzte.

Roter Kopf vor Zorn bei Tiger Gerland.

Er war dann auch sehr unzufrieden mit dem Spiel seiner Mannschaft..

Zufrieden dagegen waren die meisten der vielen Zuschauer.

Zuschauerzahlen bieten reichlich Diskussionsstoff.

Stoff verwenden nicht nur wir für die Banner, sondern auch die mitgereisten Fans aus München.

„München“ klingt, von mehreren Fußballfans im Chor gerufen, meist wie „Mühä“.

„Mühä“ ist“ gar kein richtiges Wort.

Mühe hatte Nulldrei während dem Spiel schon ein wenig.

Weniger Punkte als Nulldrei haben elf Mannschaften der 3ten Liga nach dem ersten Spieltag.

Spieltage gibt es in dieser Saison noch genug.

Genug Möglichkeiten also um doch noch sinnvolle Spielberichte zu lesen.

„Links, rechts, biste da….“: Ein Kurztrip nach Tschechien.

Donnerstag Abend: „Hi Zack, morgen für 3 Tage nach Tschechien; kommste mit?“-„Klar!“ Und schon sah ich mich auf einem Rücksitz eines dauertelefonierenden sächsichen Immobilienmagnaten wieder, welcher uns, eine werten Ex-Idefixer und mich, für 20 Euro und in 4 Stunden zu unserem ersten Ziel Prag chauffierte. Bei gefühlten 65 Grad Celsius am Hauptbahnhof rausgesprungen, konnte ich sogleich konstatieren: Der hat sich im Vergleich zu meinem letzten Besuch von vor 5 Jahren aber gewaltig verändert; ebenso das Übernachtungspreisniveau, denn unter 50 Euro im Doppelzimmer war nichts zu machen. In unsere Bleibe im Arbeiterbezirk Zizkov eingecheckt, ging es, wohl zum ersten Mal in der Geschichte eines Touristen in Prag, eben nicht in die Altstadt, sondern mit dem Linienbus zur Heimstätte von Slavia Prag (Synot Tip Arena, 21.000 Plätze), obgleich die Paarung Bohemians versus Slavia lautete. Doch da das Stadion der Bohemians als momentan nicht erstligatauglich eingestuft wurde, müssen sie ihre Heimspiele in der modernen Arena des Stadtkontrahenten austragen. Spinnefeind sind diese sich aber anscheinend nicht, denn zum Einen boykottierten beide Ultralager dieses Spiel, zum Anderen war die Atmosphäre vor dem Stadion sehr friedlich, von einer kleineren Gruppe Faschos abgesehen, welche sich wohl an den alternativ-wirkenden Fans der Bohemians etwas austoben wollten. Obgleich eine „Arena“, versprühte dieses Stadion betreffs der Außen- und Innensicht doch einiges an Flair. Geschätzte 6000 Zuseher, passable Stimmung, ein flottes Spiel (1:1 der Endstand), moderate Preise (8 Euro sind ok) und eine sagenhafte Kilbasa sorgten für einen guten Wohlfühlfaktor. Der Abend wurde bei einem frischgezapften Gambrinus ausgeklungen, der nächste Morgen förderte im Frühstücksraum den teutonischen Fremdscham zu Tage: Ins Ausland fahren und nicht einmal wissen, was „Kaffee“ auf Englisch heißt? Unfassbar……Vorbei am ultrageilen Ground von Viktoria Zizkov ging es erneut zum Hauptbahnhof, um unsere Zugtickets zu ordern. Unsere (Kul)Tour führte uns in das Weltkulturerbe-Städtchen „Kutna Hora“, dessen Erkundung uns seitens des Fanbetreuers ans Herz gelegt wurde (danke nochmal). Die Altstadt ist 2 Kilometer vom Bahnhof entfernt, dies ist aber auch der einzig negative Aspekt: Eine Vielzahl an restaurierten Bauten, gut erhaltenen Kirchen und kleine Gässchen wussten sehr zu gefallen; das touristische Highlight der Stadt ist die, allerdings wirklich überlaufene, aus Menschenknochen errrichtete Kirche, welche sich etwas außerhalb der Altstadt befindet. Alles in Allem äußerst sehenswert! Von Kutna Hora ging es nun an diesem Samstag zum nächsten Spielort unserer Reise, nach Hradec Kralove (Königgrätz). Dort im ostalgischen Sportlerhotel am Eishockeystadion, genau zwischen Fußballstadion und Altstadt für knapp 30 Euronen das Doppelzimmer eingecheckt, begaben wir uns sogleich zum Spiel zwischen den Gastgebern und Sparta Prag. Bereits am Morgen hatten wir am Prager Hauptbahnhof so einige (teils Fascho-) Kanten erblicken können. Rechneten wir mit knapp 5000 Zusehern, so waren es im Endeffekt 12.000 (darunter geschätzte 3000 Spartaner), welche den Weg in dieses, wie eine alte Glückaufkampfbahn wirkende Stadion gefunden haben. Wieso und weshalb bei Wikipedia eine Kapazität von 4000 angegeben ist….ich weiß es nicht. Das Spiel war ein wirklich unterhaltsames, der Außenseiter siegte verdient mit 2:1 gegen einen lethargischen Favoriten. Der Support seitens der Heimfans, begründend in dem guten Spiel ihres Teams, war durchaus zufriedenstellend. Die 40 Ultras hatten daran allerdings nur einen keinen Anteil, die proppevolle Haupttribüne sorgte für die annehmbare Stimmung. Die Gäste ihrerseits waren vor Spielbeginn lauter als während des Spiels, in dessen Verlauf sie jedoch immerhin mehrere Male zündelten. Dennoch nicht meine Art des Supports, denn Anfeuerungen während der entscheidenden Phase des Spiels vermisste man, wobei auch zu bedenken gilt, dass sie klar Herrscher im Ring gewesen wären. Naja, „Hooligansupport halt“, stellte mein Mitreisender trefflich fest. Voll ins Schwarze traf eben jener auch mit der diesem Artikel übergestellten Aussage, denn als alter „Ostblockveteran“ hat man wirklich mittlerweile ein Gespür dafür, möglichst umwegfrei in die Altstadt zu gelangen. Diese kann auch in Hradec Kralove als absolut sehenswert bezeichnet werden, ein Besuch (oder zumindest 2-3 stündiger Zwischenhalt) ist empfehlenswert. Schnell noch einem „Chemie Halle-Aukleber“ zugewandt, widmete man sich den folgenden Abendstunden der ausgeprägten Zapfkultur unseres Nachbarlandes, auch wenn man nicht wirklich überall willkommen war  (Ankunft in Kneipe, 8 Augenpaare…. verächtlich: „Russki!“…..noch verächtlicher: „No….Niemecki!!“). Die letzte Partie unseres Trips sollte in Teplice stattfinden, obgleich der hiesige Verein nicht involviert war: Usti nad Labem empfing Mlada Boleslav im relativ neuen Stadion vom FK Teplice. Ogleich Usti Nad Labem fast doppelt so viele Einwohner wie Teplice aufweisen kann, genügt das heimische Stadion (3000 Plätze) nicht den Erstligaansprüchen. Anders das „Stadion na Stinadlech“, welches als zweite Hauptspielstätte der Nationalmannschaft mit knapp 18.000 Plätzen auch höheren Ansprüchen genügt. Doch auch diese relativ moderne Arena konnte durchaus gefallen, ebenso wie das umfassende Catering (Würste, Baguettes, Palatschinki usw.) und die Eintrittspreise (3 Euro). Das Spiel, wie eigentlich alle gesehenen Spiele, unterhaltsam und spielerisch ansprechend. Die Gäste gewannen dank größerer Abgezocktheit und Ludovic Sylvestre (Nummer 14, verpflichten bitte!) mit 2:0 gegen den wackeren Aufsteiger, welches die knapp 40 Gästefans („Nulldrei in Regensburg……..auja, die Choreo klappt auch net wirklich, das sind eindeutig wir!“) durchaus erfreute. Uns erfreute der Bus der Dresnder Busgesellschaft, welcher uns ab Teplice um 18 Uhr für 4 Euronen quer durchs Erzgebirge (schöne Landschaft, obligatorische „Ultras Rostock“-Graffiti kurz vor Dippoldiswalde) zum Dresdner HBF kutschierte. Dort die Mitfahrgelegenheit nach Potsdam bestiegen, dem sächselnden Dauertelefonierer am Lenkrad gelauscht und gewusst: Ja, hier schließt sich also der Kreis!

Pawel, Piwo und Piroggen.

Auch in diesem Jahr begab sich, zum nunmehr dritten Mal, eine Reisegruppe aus Babelsberg zum antirassistischen Turnier unserer polnischen Freunde nach Thorn. (Torun)

Die Reisegruppe: Eine bunte Mischung aus Ultras, Zujezogenen, Nie-Wegjezogenen und Premnitzer- Tierarztalbträumen…..

Die Hinfahrt: An einem Donnerstagmorgen zuerst gediegen bis nach Frankfurt/Oder (dort natürlich den ersten Fascho zu Gesicht bekommen); gewundert, dass exakt 2 Verbindungen am Tag nach Polen fahren und im Zug nen Fi-Aufkleber im Abteil bestaunt. Die Fahrt (u.A. über Poznan-> Wir waren da, wo ward ihr? Lech-Lappen….) wurde länger und alkoholreicher; die letzte Zugstunde vor unserem Ziel lassen wir mal unter den Tisch fallen.

Die Unterkunft: Holzhütten auf einem Campingplatz, nur durch eine 1,2 Kilometer lange Brücke über die Weichsel von unserer Stammbar, beziehungsweise der sich angrenzenden Altstadt entfernt.

Die Stadt: Sei wirklich Jedem herzlichst empfohlen. Eine wirklich beeindruckende Anzahl an alten Gebäuden (vom Kirchturm aus kann man die ganzen Schönheiten überblicken), sowie eine lebendige Restaurant-, Kneipen- und Studentenszene sorgen für gute Laune. Mir persönlich gefällt diese 160.000 Einwohner-Stadt beispielsweise besser als Krakau……

Unsere Gastgeber: Auch wenn es ihnen meiner Meinung nach vielleicht etwas an Herzlichkeit fehlt, nötigt mir ihre Arbeit natürlich Respekt ab. Ihr „Nowawes“ hört auf den Namen „Pilon“ (zu deutsch:Bunker), ist geschätzte 40 qm groß und irgendwie urgemütlich.

Das Turnier: Beendete die Mannschaft mit den definitiv schönsten Bannern auf einem respektablen 6. Platz (von 29 Teams). Die 3-er-Gruppe wurde italienisch mit 1:0-Toren und 4 Punkten gemeistert, bevor das Achtelfinale dank des überragenden Schreiberlings mit 2:0 gewonnen wurde. Wie auch im letzten Jahr scheiterten wir nach unglücklichem Verlauf im Viertelfinale (0:1). Ansonsten muss man auch mal kritisieren: Für den schlechten Platz kann keiner was, das ganze Drumherum ist jedoch etwas zu rudimentär in meinen Augen. Ein einziger Stand und weit und breit kaum Infomaterialien sorgen doch für einige Langweile zwischen den Spielen.

Die Rückfahrt: Hartplastikschalen und ozonschichtzerstörende Ausdünstigungen eines Eincellers waren die einzigen Abwechslungen einer ereignislosen Heimfahrt, im Laufe welcher sich Lech erneut nicht am Bahnhof zeigte…..

Sonstiges: „I`m married“ wurde in „Hallo, mein Name ist Maria“ umgedeutet, der Zloty ist deutlich schwächer geworden. Das größte Kuriosum am letzten Abend: Ein ob der Langeweile von mir scherzhaft angekündigter Naziangriff ereignete sich in Real circa 15 Minuten nach den von mir gesprochenen Worten, folglich wurden wir auf erhöhte Aufmerksamkeit betreffs des Heimweges angewiesen. Und noch etwas an unsere Hammer-und-Sichel-Fraktion: Diese Symbolik ist bei den dortigen Antifas genauso verpönt wie das Hakenkreuz, sollten sich ein paar Personen mal durch den Kopf gehen lassen……

Alles in Allem eine wirklich gelungene Tour, ein Dank und 10 Zloty gehen raus an unseren nimmermüden Reiseführer Pawel.