Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich

Wo soll ich anfangen, frage ich mich. Ich bin immer noch stark emotionalisiert von diesem beeindruckenden Samstag. Was ist passiert?
Mein Wecker riss mich früh um 8 aus dem Schlaf. Ein schöner Morgen versprach einen super Tag. Also rein in die Dusche, fertig gemacht und ab zum Frühstück. Dann schnell ins Stadion und Technik aufgebaut. Die Sonne schien und ich hatte Hoffnung auf ein Unentschieden gegen den Tabellendritten aus Offenbach.

Das Spiel startete und zu meiner Freude versteckte sich Nulldrei nicht, sondern spielte selbstbewusst auf und Offenbach manches mal an die Wand. Ich war nun mehr überzeugt, dass hier nicht verloren wird und ein Punkt sicher ist. Und dann passierte es: Koc sorgte für für kollektiven Jubel auf den Rängen. 1 zu 0 gegen den Aufstiegsaspiranten. Was will mensch mehr? Der Tag wurde immer besser. Die Sonne brannte, Bier und Wasser flossen und das Spiel war sehr schön anzusehen. Ich war hochzufrieden. Die zweite Hälfte hielt dann auch, was die erste versprach. Nulldrei spielte befreit und aggressiv auf. Unger wirkte wieder sicher in seinem Kasten und Stroh-Engel gefiel seine neue alte Position. Und dann befand sich das Karli wieder im Freudentaumel: Makarenko traf zum 2 zu 0 Endstand. Die Fans aus Offenbach hatten derweil zu Teilen begonnen zu den Gesängen der Nordkurve zu tanzen. Die Stimmung im Stadion war wieder großartig, Nulldrei hat gewonnen und ich einen kleinen Sonnenbrand dank des schönen Wetters. Alles in allem ein fast perfekter Tag.

Fast? Ja fast, denn nach dem Spiel kam Unruhe auf. Unfassbare Gerüchte machten die Runde. Der Fanbeirat eilte ins Stadion. Und es bestätigte sich das Gerücht: Der Vorstand des SV Babelsberg 03 hatte am Mittwoch beschlossen zum Spiel gegen die SG Dynamo Dresden bei Bedarf die Blöcke C und B (bis zur Mittellinie) an die Fans der SGD zu verkaufen. Im Klartext: der SVB gibt ein Heimspiel ab und verdrängt einen Großteil der eigenen Zuschauer von ihren angestammten Plätzen in der Gegengerade. Bleibt die Frage, warum der Vorstand den SVB damit in der Fußballöffentlichkeit lächerlich macht!? Nun, es wird erhofft, dass dadurch etwa 15.000€ zusätzlich eingenommen werden könnten. Es ist schon traurig, dass der Vorstand seinem eigenen Verein nicht zutraut das Stadion zu füllen. Dass dieses Geld den SVB rettet, ist auch fraglich, denn bei einem Etat von ca. 2,5Mio € ist die Summe eher klein. Aber ich möchte mich auch hier gar nicht aufregen, mein Blutdruck ist hoch genug in Anbetracht von soviel Ignoranz sowie betriebswirtschaftlicher Kurzsichtigkeit. Eins ist Fakt: geschehen die Dinge so wie beschlossen, werde ich schweren Herzens dieses Spiel nicht besuchen, ebenso werde ich in Zukunft auch auf den Kauf einer Dauerkarte verzichten. Denn auch Dauerkarteninhaber werden in ihrem erworbenen Recht der freien Stehplatzwahl in den Heimblöcken beschnitten und wer kauft schon bei einem Händler der im Nachhinein das Produkt zum Schlechteren verändert!?

Ich hoffe, da wird nochmal drüber nachgedacht. Die Freude über den Sieg ist jedenfalls dahin. Aber es lief ja auch alles gerade bei Nulldrei, da ist dem Vorstand vielleicht langweilig geworden.

Nun heißt es abwarten und in Braunschweig möglicherweise einen Punkt erkämpfen. Das wäre doch was! Oder?

Allez Nulldrei!

Zur Information der Babelsberger Fangemeinde:

Der Fanbeirat möchte euch über den aktuellen Stand der geplanten Kartenvergabe zum Heimspiel gegen Dynamo Dresden informieren.

Heute fand ein spontanes Gespräch zwischen dem Fanbeirat und der Geschäftsführung statt. Hintergrund war eine Konversation am vergangenen Donnerstag zwischen Ralf Hechel und einer Vertreterin des Fanbeirats. Dies gab uns den Anlass, kurzfristig in der Geschäftsstellte ein Gespräch mit dem Geschäftsführer des SV Babelsberg 03 zu suchen. Ebenfalls anwesend war auf Bitten des Fanbeirats der Fanbeauftragte des Vereins, Jens Lüscher.

Am Donnerstag wurde geäußert, dass die geplante Choreografie im K-Block nicht stattfinden könnte, da eine große Zuschauerzahl erwartet wird. Zudem ist ein Bannerverbot geplant, um die potenziellen Sichtbehinderungen einzudämmen. Beiläufig erwähnte Ralf Hechel ohne Nachfrage, dass die BesucherInnen des C-Blocks an diesem Tag sowieso nicht, wie gewohnt, dort stehen könnten.

Genau diese Aussagen bewogen uns, im Anschluss an das heutige Spiel, den Geschäftsführer persönlich zu kontaktieren.

In diesem Gespräch wurde uns der Vorstandsbeschluss vom Mittwoch mitgeteilt, dass, wenn notwendig, die Karten des B2- und des C-Blocks aufgrund der wohl möglich großen Nachfrage aus Dresden an deren Fans verkauft werden. Im Vorfeld zu dieser Vorgehensweise fand ein Treffen mit dem Verein und der Einsatzleitung der Polizei statt (wovon in keinerlei Hinsicht FanvertreterInnen hinzugezogen wurden), worin diese Festlegungen getroffen bzw. empfohlen wurden. Im Konkreten geht die Polizei davon aus, dass 5.000 Fans aus Dresden erwartet werden und diese im Stadion untergebracht werden sollen. Daran hat auch die Vereinsführung aufgrund der wirtschaftlichen Situation (finanzielle Misslage) ein reges Interesse.

Demzufolge sieht der Vorstandsbeschluss vor, dass der Vorverkauf der Blöcke C und B2 gegenwärtig in Babelsberg nicht stattfinden soll. Dynamo Dresden soll hingegen zunächst Karten für die Blöcke E und D erhalten und bei starker Nachfrage die Tickets für die Nordkurve und die Gegengerade bis zum Trennungszaun Mittellinie verkaufen dürfen.

Laut Aussagen des Geschäftsführers sollen die Stehplatzfans aus den betreffenden Bereichen auf die Blöcke B1, A und K ausweichen. DauerkartenbesitzerInnen mit freier Platzwahl in den Blöcken A, B und C werden sich wohl ebenso in diesen Blöcken einfinden müssen.

Der Geschäftsführer wies auf die entsprechenden Kapazitäten der Blöcke hin und die Mehreinnahmen, die eine Vielzahl an Gästefans mit sich bringen würden. Konkret nannte er Mehreinnahmen in Höhe von ca. 15.000 € bei ca. 2.000 zusätzlichen Gästen in den eigentlichen Heimblöcken (die sonst nicht im Stadion untergebracht werden könnten). Dies heißt im Umkehrschluss, dass der Vereinsvorstand einerseits davon ausgeht, dass trotz des derzeitigen sportlichen Misserfolges Dresdens 5.000 Fans kommen und andererseits die Annahme trifft, dass die Heimblöcke bei der gegenwärtigen Sonnenlage unseres Teams nicht mit Babelsberg-Fans gefüllt werden könnten.

Natürlich äußerte der Fanbeirat in vielseitiger Hinsicht seine Kritik – seien es die fehlende Sensibilität gegenüber der Babelsberger Fanszene, die unkalkulierten Folgekosten, die fragwürdige Darstellung der Wichtigkeit dieses Vorhabens aus wirtschaftlicher Sicht, als auch dem Respekt gegenüber der Mannschaft und der Fangemeinde, wenn man das Heimspiel an Dresden verkauft – und wird diesbezüglich in einem offenen Brief an die Vereinsführung seine Missgunst darlegen, da alles bisher geschriebene nur zur Darstellung der Sachlage dienen soll.

Wir hoffen auf dem Weg der Veröffentlichung, die normalerweise erst eine Woche vor dem Spiel erfolgen sollte, und durch unsere konstruktive Kritik die Vereinsführung zu einem Umdenken zu bewegen. Dafür benötigen wir allerdings auch eure Hilfe.

Euer Fanbeirat

Fanbeiratswahlen am 24.04.2010

Am 24. April 2010 finden die diesjährigen Wahlen zum Fanbeirat im Anschluss an das Heimspiel gegen den VfB Lübeck statt. Auch wir werden einen Kandidaten in den Ring werfen, um die Arbeit des Fanbeirats tatkräftig zu unterstützen. Unabhängig davon bitten wir alle Fans, diese Wahl wahrzunehmen und die Stimme euren Favoriten zu geben.

Nähere Infos zu den wählbaren Kandidaten findet ihr auch unter: http://www.babelsberg03.de/nordkurve/

Hier noch die kurze Vorstellung unseres Kandidaten:
„Ich, Maik Dudzak (03-Vereinsmitglied), möchte mich als Kandidat für den Fanbeirat zur Wahl stellen und mich damit aktiv für eine belebte Fanszene einsetzen. Bereits jetzt bin ich als Gründungsmitglied der Fangruppierung „Zujezogen Nulldrei“, beim Aufbau der Stadiontechnik zu den Heimspielen, lautstark in der Nordkurve oder als Begleiter zu Auswärtsfahrten im Fanbus in und um den Verein aktiv tätig.
Mit meiner Bewerbung möchte ich nun meinen Teil dazu beitragen, dass unsere Fanszene weiterhin tolerant, bunt, antirassistisch und vor allem mitgestalterisch auftritt. Ich möchte Ansprechpartner für die Belange aller Fans sein und die bisher sehr engagiert geleistete Arbeit des Fanbeirats ambitioniert weiterführen.“