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Spielbericht 03-Union II

Die Offenbarung des Torwarts

 Es gibt Momente, da muss man kein religiöser Mensch sein, um eine Offenbarung zu haben. Um in einem einzigen Augenblick zu verstehen, was man jahrelang nicht begriffen hat. Etwa was es mit der Behauptung von Marx auf sich hat, dass der Mensch sich gegenüber dem Tier durch seine Antizipationsfähigkeit in der Arbeit auszeichne. Zwar, sagt Marx in seinem berühmten Biene-Baumeister-Beispiel, könnten viele Architekten der Biene beim Bau von Behausungen nicht das Wasser reichen, aber eines hätte selbst der dusseligste Baumeister noch der geschicktesten Biene voraus (und zwar im Wortsinne): Er weiß um das Arbeitsergebnis, weil er noch vor Beginn der Arbeit eine Vorstellung des Resultats im Kopf hat.

Wie vertrackt das ist, konnte man im Karli am vergangenen Samstag in der letzten Minute des Spiels gegen die Eisernen sehen. Ja, es offenbarte sich, als ein Unionist den Ball bienengleich auf der rechten Seite nach vorne trieb und aus dem Halbfeld hoch in Richtung Strafraum drosch. Also bienengleich jetzt nicht tierisch (diffamierend), sondern emsig. Fleißig wie die Bienen. Und das hatten sie ja auch nötig, die Roten, fleißig sein, nachdem sie zwischenzeitlich null zu drei zurückgelegen hatten.

Nun, zu diesem Zeitpunkt hätte es der rechte Läufer durchaus ruhiger angehen können. Denn da hatten sie schon zwei Tore aufgeholt. Aber er war gierig, und also wuchtete er den Ball Richtung Elfmeter.

Und während die Flugbahn noch ansteigend ist, scheint unser Keeper die Marxsche Theorie der Arbeit verstanden zu haben. Anders ist sein sekundenbruchteiliges Zögern nach dem Schuss des übereifrigen Berliners gar nicht zu erklären. Und die Kurve sieht es, sie fühlt, was das Zögern bedeutet. Man kennt das ja vom Esszimmer, wenn man den Tisch abräumt. Da hat man die Teller so schräg aufeinander getürmt, dass es ein Grausen ist. Und alles wackelt, und man stellt noch ein Schälchen drauf, und man weiß, dass man keine fünf Schritt weit kommen wird, und dann wird alles in Scherben liegen und das Geschrei wird groß sein. Und man geht trotzdem los.

Und während der Ball höher steigt und der Keeper zögert, spürt die Kurve genau, was er durchmacht. Dass er das Resultat seiner Handlung antizipiert und weiß, dass er ins Leere greifen wird, obwohl noch nichts ausgemacht scheint. Die Kurve versteht und schweigt.

Nicht so der Fußballexperte, den würde das jetzt gar nicht kümmern. Für ihn gilt: Wenn der Torwart rausgeht, muss er den Ball haben. Das ist die ewige Wahrheit des Experten, der nur noch Zwecke, aber keinen Sinn mehr kennt. Aber unsern Keeper schert dieser Neoliberalismus nicht, ihm sind die Zwecke einerlei. Er strafft sich, und während die Flugbahn des Balles ihren Scheitelpunkt erreicht, macht er erste Schritte Richtung Elfmeterpunkt, wo sich schon ein Knäuel erwartungsfreudiger Spieler gebildet hat.

Unser Keeper scheint regelrecht froh über diese Zusammenrottung, denn in den vorangegangenen fünfzehn Minuten hat er erleben müssen, wie seine zuvor so souverän aufgetretenen Kameraden nach den beiden Gegentreffern ganz fahrig wurden. Angst essen Viererkette auf. Und so standen sie zu sechst auf einer Linie und konnten doch die Pässe in die Schnittstellen nicht verhindern.

Der Ball senkt sich. Die Kurve schwitzt. Sie weiß, dass unser Keeper danebengreifen wird, und weiß, dass der Keeper das auch weiß. Aber der Keeper weiß auch, dass er sich dem Schicksal nicht entziehen kann, dass er springen muss, auch wenn er danebengreift. Und die Kurve begreift die Tragödie und formt schon die Lippen zum Chor.

Der Keeper springt. Er greift ins Leere. Das war klar.

Aber jetzt die Überraschung. Der Ball plumpst auf den Kopf eines Unionisten. Doch die haben kein Goldköpfchen dabei, sondern nur einen blanken Arsch. Und der taugt gar nichts, nicht nur in dieser Situation (und belegt wieder einmal, dass nicht alle Vereine die Fans haben, die sie verdienen). Sie bräuchten einen wie Jule Prochnow oder Seve Mihm, die das Leder kühl zum eins und zwei null eingenickt haben, oder einen wie Tobias Grundler, der sich für Torwartgeschenke wenigstens anständig bedankt. Aber die geben die Blauen nicht her. Und schon gar nicht jetzt für das tragische Fallobst. So hält ein Roter seine Birne hin, und der Ball fliegt aufs Tor. Und um Zentimeter vorbei.

Wer hätte das gedacht. Der Keeper nicht, die Kurve nicht und auch der Marx nicht. Der hätte gesagt, dass das mit seiner Theorie gar nichts zu tun hat und auf die Theorie der unbeabsichtigten Nebenfolgen des Handelns verwiesen. Aber das ist uns jetzt wurscht. Ganz egal. Und wir feiern auch nicht die Sieger, sondern den, der das Schicksal herausgefordert hat – und bitten den Keeper auf den Zaun. Unvergessen: 3:2!

Aktionstag zum Thema Asyl- & Flüchtlingspolitik

BABELSBERG 03 und seine aktive Fanszene zeigen, dass beim Verein Integration nicht nur auf dem Papier steht, sondern auch wirklich gelebt wird. Als erster aktiver Profifußballverein in Deutschland gibt es seit Juli diesen Jahres ein vereinseigenes Team, bestehend aus Flüchtlingen mit dem Namen „Welcome United Nulldrei“.

Um auf die aktuelle Situation von Flüchtlingen in Deutschland aufmerksam zu machen, veranstaltet BABELSBERG 03, zusammen mit dem FC Lampedusa (Flüchtlingsteam aus Hamburg), dem Fanprojekt des FC St. Pauli und dem Fanprojekt Babelsberg sowie in Kooperation mit Viva con Agua St. Pauli (Local Crew Potsdam & Zelle Berlin), am 18. Oktober 2014 einen Aktionstag im Karl-Liebknecht-Stadion in Babelsberg.

Neben dem sportlichen Vergleich wollen wir an diesem Tag auch über die Situation von Flüchtlingen in Deutschland informieren. Eingeladen sind Vereine wie Amnesty International, Pro Asyl, Kein Mensch ist illegal, Flüchtlingsräte und Projekte aus Berlin und Brandenburg sowie weitere Initiativen die sich gegen Rassismus und Homophobie sowie für Toleranz und ein buntes Miteinander engagieren. An Infoständen werden unsere Partner über ihre Arbeit informieren.


Der Aktionstag flankiert den kommenden Heimspieltag unserer Equipe gegen die Reservemannschaft des 1.FC Union Berlin. Die Regionalligapartie markiert somit auch den Startpunkt des Programms.

Im Anschluss an das Spiel der Blau-Weißen hat unser Welcome-United-Nulldrei-Team seinen Auftritt. Unsere Mannschaft tritt gegen den FC Lampedusa aus Hamburg an. Spielort wird der Kunstrasenplatz im KarLi sein. Beide Mannschaften trainieren seit längerer Zeit und werden einen sehenswerten Fußball präsentieren.

Die Verbindung von Nulldrei zum FC St. Pauli ist kein Geheimnis. Zum Ende des sportlichen Teils werden daher schlussendlich Fanvertretungen des FC St. Pauli und von BABELSBERG 03 im freundschaftlichen Vergleich auf Torejagd gehen. Die Partie wird ebenfalls auf dem Kunstrasenplatz ausgetragen.

Damit ist der Abend jedoch noch nicht beendet. Neben dem oberen Trainingsplatz wartet ein tolles Bühnenprogramm auf die Gäste. Den Anfang macht der Berliner Rapper -PyroOne-. Nach einer kleinen Umbaupause ist dann Punk angesagt. Die nicht ganz unbekannten -Radio Havanna- werden die Bühne rocken. Als Highlight des Abends wird das Irie Révoltés Soundsystem die Bühne entern. Wir danken allen Künstlern für die Unterstützung unseres Projekts!


Allgemeines: Es wird an diesem Tag verschiedene Soliaktionen geben. Wir wollen mit dem Geld unter anderem unser -Welcome-United-Team- unterstützen. Während des ganzen Tages findet eine Pfandbecheraktion statt. Jeder Becher wird mit einem Euro Pfand versehen. Als Pfandmarke bekommt der Besucher einen Button. Da es verschiedene Buttons geben wird, können diese gesammelt oder inkl. Becher zurückgegeben werden. In zweitem Fall erhält man natürlich seinen Pfand zurück.

Zudem werden überall Spendenboxen und Büchsen postiert. Wer möchte, kann auch Geld spenden.

Wer den Eintritt für die Regionalliga-Partie Babelsberg 03 vs. Union Berlin II entrichtet oder eine Dauerkarte besitzt, hat freien Eintritt zu den Konzerten am Abend. Wer ausschließlich die Konzerte besuchen möchte, bezahlt am Abend an der Kasse 5 Euro + Solibeitrag. Der Solibeitrag ist selbstverständllich frei wählbar.

Ab 23:00 Uhr startet dann die Aftershowparty im Archiv Potsdam. Hier erwartet den Besucher Musik aus den goldenen 80er und 90er Jahren.

Alle Flüchtlinge haben an diesem Tag freien Eintritt!


Der aktuelle Ablaufplan sieht folgendes Programm vor:

13:30 – 15:15 Uhr SV Babelsberg 03 gegen 1. FC Union Berlin II 15:45 – 17:30 Uhr Welcome United Nulldrei gegen FC Lampedusa Hamburg 18:00 – 19:00 Uhr Fanteam Babelsberg 03 gegen Fanteam FC St. Pauli

Bühne im Stadion

18:30 – 19:15 PyroOne 19:45 – 20:30  Radio Havanna 21:00 – 22:00 Irie Révoltés Soundsystem

Sattes Grün, auffälliges Schwarz

So, da sind wir wieder in Lichterfelde, beim FC Viktoria Berlin. Diese Saison einmal nicht zum fanfreundlichen Flutlichtereignis, sondern zum familienfreundlichen Nachmittagsgekicke bei wärmender Oktober-Sonne. Ich bin in dieser Sache ja selbst sehr uneins, aber aufgrund der optimalen Bedingungen am gestrigen Tag doch hocherfreut über die familiäre Begleitung.

Apropos perfekte Bedingungen. Diese galten augenscheinlich lediglich für meine selbst gewählte Anreise und alles, was noch vor dem Stadiontor war. Mit Betreten des durchaus charmanten Rundes konnte umgehend mit dem Abhaken der Meckerliste begonnen werden:

Wo sind denn die Toilettencontainer der Vorsaison hin? Wieso stehen da viel zu wenig Dixis herum, an der sich regelmäßig eine Schlange bildete, garniert und scharf bewacht von penetrant herumstehenden, schwarz gekleideten, staatlichem Sicherheitspersonal? Wieso gilt dieses Spiel überhaupt als Sicherheitsrisiko? Wer ist dieser sog. „Sicherheitsrisiko“ und wo kommt der her? Warum braut der „Sicherheitsrisiko“ nur halbprozentiges Bier? Und wieso spart man hier an sanitären Einrichtungen zugunsten eines sichtachsenbehindernden Zauns, der hübsch hässlich um den gesamten Gästebereich gezogen ist – natürlich im schönen schwarz?

Und das Schärfste noch zum Schluss: Wieso geht der Greenkeeper nicht seiner eigentlichen Berufung nach und mäht das Geläuf auf fußballübliche, sondern auf spielverderberische, knietiefe Höhe? Von Mahd kann hier keine Rede mehr sein! Klarer Fall von Wuchs. Wohlgemerkt: Gut sah er ja aus, der Rasen. Schön satt und grün. So manch Kleingärtner erstarrte vor Neid. Unser Team dagegen bekam mit fortschreitendem Spielverlauf eher schwere Beine. AHA! Klares, hinterhältiges, aber gewieft taktisches Vorgehen seitens der Gastgeber, um unser leichtfüßiges, auf dominanten Ballbesitz ausgelegtes Spiel zu unterbinden – oder mindestens, um das eigene Unvermögen zu kaschieren. Gar nicht mal so dumm…

Hätte ja auch fast geklappt. Die 1:0 Führung für Viktoria resultierend aus einer Standardsituation, die Ümit gekonnt ins Netz des ehemaligen Arbeitgebers nickte. Naja, seine Zeit bei Nulldrei ist ja auch schon länger her. Und so bemühte sich unser Team redlich, mit dem Platz Freundschaft zu schließen, um das eigene Spiel besser in den Griff zu bekommen. Gelang dann auch etwas stocherhaft nach Ecke von rechts durch Lukas Albrecht. 1:1. Das war dann auch der Endstand.

Eigentlich hätte ich noch etwas auf meiner Meckerliste, aber ich verwende hier einmal lieber ein viel schöneres Stilmittel. Kommen wir also zur fanseitigen Unterstützung – dem Support: Leute! Was für ein Knaller! An die 800 Nulldreier_innen, gefühltes Heimspiel. Die Emotionen und Begeisterung sprudelten nur so heraus. Ich war nach der ersten Hälfte von der Vielzahl an Hüpf- und Klatscheinlagen so fertig, dass ich mir die zweite Hälfte in großer Vorfreude am Rund hinterm Tor anschaute. Außerdem klingelten meine Ohren von dieser derben Lautstärke in Halbzeit eins. Und was soll ich sagen? Halbzeit zwei überzeugte noch mehr! Chorische Gesangseinlagen, Wippen, Hüpfen, Klatschen – einfach super!
OK… Ironie off. Satz mit X: Das war scheiße! Es kann doch nicht sein, dass das Team und die Kurve nur an Freitagabenden unter Flutlicht funktionieren. Das nächste Mal bitte Kopf an, Augen auf, Mund auf, Arme hoch, auch wenn Sonntag ist!

Achso. Noch einen kleinen Gruß an Mister Amore: Eisdielen-Hopping ist keine Entschuldigung für das Fernbleiben eines Nulldrei-Auswärtsspiels direkt vor den Toren Babelsbergs!!!

Meckerliste abarbeiten: Check.

Freitag, 10.10.2014, 19.30 Uhr – Landespokal in Luckenwalde rocken!
Achtet auf die Nordkurven-Mobi!

Alles Gute, FI99!

Eines vorneweg: In einem saustarken Spiel unserer Mannschaft vor guter, leider nur teilweise lauter Kulisse gewann Nulldrei mit Dreinull gegen die Zweete von Erna. Der Bericht hierzu muss leider hintenanstehen.

Seit nunmehr 15 Jahren schon,

blanker Hass, blanker Hohn,

euch oftmals schon entgegentrat,

von Nazis, Bullen und dem Staat,

von Hooltragruppen, selbsternannten

und Ordnerdödeln, hirnverbrannten,

von Vereinsvertretern, zwielichtigen,

ergo: Von genau den Richtigen…….

Ihr habt euch nie verbogen,

nie geduckt und nie gelogen,

authentisch, offen, engagiert,

und wie so oft schon propagiert,

nicht nur im Stadion präsent,

politisch “links” gar omnipotent!

Der Karlkopf als Erkennungszeichen,

sucht man vergebens Euresgleichen,

ob Süd, Nord, Ost und West,

und man euch gern`manch Sünde erlässt:

Choreos wie von Kindern gemalt,

manch Nappel hat mit euren Klamotten geprahlt,

und, man kann es nicht genug erwidern,

zuviel Lala in manchen Liedern.

Doch genug dem negativen Wort,

ist dies nun auch der rechte Ort,

um endlich einmal Danke zu sagen,

Für was? wird mancher gleich erfragen:

Nunja, für 15 Jahre Ultra in Nowawes,

für manch gemeinsam geleertes Gefäß,

für unzählige Stunden im Bus,

für allerlei Genuss,

mit euch beim Dönermampfen, Labern, Grillen,

beim Saufen, Demonstrieren und Chillen,

bei all den Spätis und Konzerten,

in all den Häusern und den Gärten,

für die Postille “Ultra Unfug”,

als Klolektüre mehr als genug,

und einfach dafür, wie ihr seid,

doch allmählich dem Schwulste leid,

sei das letzte was mir entfahre:

Alles Gute, FI99, auf die nächsten 15 Jahre!

 

fi99-geburtstag_10x15

X= -400, Eieieiei…der SVB03

Die Vorfreude über die “Häme” uns betreffend, bezüglich der , unsererseits natürlich als utopisch eingestuften Annahme, 1000+X, war doch allzu groß um auf eben jenen Aufruf zu verzichten. Und siehe da, im beliebten Deppenforum Ultras.ws ist es bereits Sonntagfrüh diesbezüglich sehr unterhaltsam. Da geht noch Einiges!

Gut und gerne 500-600 Personen waren es dann im verranzten Gästeblock, bei einer Zuschauerzahl von insgesamt nur 2200. Da stellt sich schon die Frage, weshalb die “treue Anhängerschaft des BFC” beim Heimspiel gegen Union2 mit der doppelten Anzahl zugegen war? Supporttechnisch war es aufgrund eines guten bis streckenweise sehr guten Auftritts, eingeleitet mit einer einfachen, soliden Choreo, ein lockerer Auswärtssieg gegen fast schon peinliche Bemühungen der “Heimkurve”, die eigentlich nur in den letzten 5 Minuten zu vernehmen waren. Sinn für Humor haben sie jedoch, Kategorie C (unpolitisch auf der Tribüne sitzend) hochleben lassen, aber “Politik raus”…..

Auf dem Rasen waren es jedoch umgekehrte Verhältnisse, insbesondere in der ersten halben Stunde. Statt 1:0 hätte es da bereits 3:0 stehen können, der BFC war hellwach und über die Außen stets gefährlich und unsere Abwehr schlief den Schlaf der Ungerechten. Nachdem wir uns bereits vor dem Halbzeitpfiff steigerten, konnte die 2. Hälfte ausgeglichen gestaltet werden. Hierbei fehlte wie so oft der letzte Pass, respektive Killerinstinkt, so dass nach einem von beiden Seiten umgepflügten Rasen die Weinroten als verdienter Sieger von eben jenem gingen.

Der Heimweg unsererseits verlief friedlich, bezüglich der Vorkommnisse bei der Baiz ist erneut Solidarität gefordert!

PS: Hoffentlich macht das verschenkte Auto jemanden glücklich.

An einem Freitag im September

Nach einem kurzen Blick auf die Uhr stelle ich fest, dass ich spät dran bin. Schnell aufs Rad geschwungen und nach Hause gefahren. Wann ist es eigentlich so kalt geworden? Also muss da wohl nochmal ein Kleiderwechsel stattfinden und die Uhr tickt. Auf dem Weg zum Stadion, sacke ich noch meine liebste Fußballbegleitung ein, die grundsätzlich auch so spät dran ist wie ich und diesmal noch nicht mal eine Karte in der Tasche hat. Wir flitzen mit unseren kurzen Beinen zum Stadion und mein Herz schlägt wie immer höher, wenn ich den Gesang aus dem Stadion höre. Karte besorgt, kontrollieren lassen und dann sind wir auch endlich drin. Pünktlich haben wir es nicht geschafft, aber das Spiel wird später angepfiffen und so haben wir noch nichts verpasst. Scheinbar sind wir nicht die Einzigen, die etwas später im Stadion sind. So bleibt noch Zeit ein kaltes Getränk zu kaufen und schon sind wir aufm Weg in die Kurve. Von unten kann ich feststellen, dass ich nur wenige mir bekannte Gesichter sehe. Also nehme ich Platz in der Nähe der Trommel – auf diesen Anhaltspunkt kann ich mich immer verlassen. Die Kurve ist ganz nett gefüllt und als dann auch endlich ein Trommler gefunden ist, wird fleißig gesungen, geklatscht und gesprungen. Das erste Tor bringt die Kurve noch mehr zum Kochen und so gehe ich euphorisiert in die Halbzeitpause. Schnell die Kehle befeuchtet und kurze Zeit später gibt es eine schöne Choreo mit Rauch und allem zu sehen. Ich stehe wieder in der Nähe der Trommel, jedoch wurde der Trommler ersetzt. Und auch auf dem Rasen gibt es ein paar Veränderungen. Scheinbar gibt sich unsere Mannschaft nicht mehr so richtig Mühe und schon haben wir zwei Tore von Jena in unserem Netz. So hatte ich mir das aber heut Abend nicht gedacht. Glücklicherweise ist nicht aller Tage Abend und wir schaffen es mit einem schönen Elfmeter am Ende mit einem 2:2 aus dem Spiel zu gehen. Das gefällt mir und so klatsche, singe und springe ich ins Wochenende…

Nu? … Nu!

Urlaub in Kombination mit einem 03-Spiel am Sonntag ergaben für mich die Möglichkeit endlich, mal wieder drei Spiele an drei Tagen zu sehen. Hab ja sonst nix zu tun. Los gings mit…

Victoria Seelow vs. FC Frankfurt (Oder)

Freitag, Flutlich, Derbyzeit im Oderbruchstadion! Und dazu noch Spitzenspiel der Brandenburgliga. Zugegeben, es war erst der zweite Spieltag. Aber immerhin hatten die Gastgeber ihr erstes Spiel in Hohenleipisch 4:0 gewonnen. FF machte es da noch besser und gewann sogar 5:0 in Oranienburg. Es konnte also ein spannendes Spiel erwartet werden. Wurde es aber am Ende leider nicht, denn die Kleiststädter waren überlegen und deutlich abgeklärter. Stand es zur Pause noch 0:0, netzten sie kurz danach zweimal ein, überstanden die Druckphase von Seelow mit nur einem Gegentor und siegte am Ende gar 5:1. Mit Frankfurt scheint diese Saison zu rechnen zu sein. Aber 03 hat bekanntlich auch in der letzten Spielzeit sehr gut begonnen.
Der Samstag bot wiederum Zeit für gepflegtes Kreisklasse-Hopping beim Spiel…

Rot-Weiß Reitwein vs. Eintracht Ahrensdorf

Für die vier Prozent der Leser_innen, die nicht wissen, welche Liga das ist: 1. Kreisklasse Ostbrandenburg Mitte. Auf Grund von leichtem Trödeln wurde auch gleich das erste Tor nach 30 Sekunden für Ahrensdorf verpasst. Zum Glück sollten noch einige folgen. Aber erstmal den Platz in Augenschein nehmen. Herrlicher Dorfplatz, was an dieser Stelle natürlich positiv gemeint ist! Ok, der Rasen hat den Namen nicht verdient und gerade lag wohl auch nur im Auge der Erbauer, aber genau das wollte man doch sehen. Das Spiel selbst ließ auch keine Wünsche übrig. Ab und zu mal ordentlich in die Knochen treten, ein Schiri, der selbstverständlich nichts richtig machen konnte, ein aufgenommener Rückpass zum Torwart, eine Gelb-Rote wegen Schiri-Beleidigung, ein Spieler, der die erste Halbzeit noch Zuschauer war und zur zweiten auflaufen musste, damit Reitwein wieder vollständig war und am Ende noch ein 3:3. Große kleine Fußballwelt!
Das Highlight dann natürlich am Sonntag…

03 vs. Bautzen

Kein Bock auf Zug und kein fahrender Bus ließen uns zu einer vierköpfigen Auto-Reisegesellschaft mehr oder weniger ergrauter Herren zusammenrücken. Sollte mir recht sein, denn ich war nicht der Fahrer. Der war, wie es der Zufall auch noch wollte, Ur-Sachse und wuchs auch noch in der Nähe von Bautzen auf. Somit stand einem kulturellem Rahmen nichts mehr im Weg. Der Bestand zunächst darin, sich Kamenz anzusehen. Sehr schön, nur leider im Dauerregen. Aber die kredenzten Kamenzer mit Nudelsalat machten auch das wieder wett. Danach gings getarnt im anderen Auto weiter in die Senfstadt. Noch in Brandenburg wurde nebenbei beschlossen, dass im Zweifel nur der Einheimische redet und die anderen sich auf ein zustimmendes oder ablehnendes “Nu.” beschränken sollten. Hat auch gut funktioniert und die kurze Stadtrundfahrt in Bautzen wurde ohne Zwischenfälle gemeistert.
Am Stadion weiterhin Dauerregen und die Lust, noch 2 Stunden ohne Dach rumzustehen, sank irgendwie. Immerhin wurde es mit dem Anpfiff der Partie minütlich trockener. Das Stadion selbst passt irgendwie mehr zur Leichtathletik als zum Fußball. Allerdings waren die Preise fair und das Bier lecker. Nur die angebotene Kamenzer soll wohl nicht ganz der Knaller gewesen sein. Gut, dass wir vorgesorgt hatten.
Ebenfalls nicht der Knaller war leider das Spiel. 03 zwar motoviert, aber ohne Durchschlagskraft. Bautzen auch nicht viel besser, aber dafür mit zwei Toren auf der Habenseite. Auch der Support wollte über das Spiel hindurch, auch bei mir, nicht wirklich in Fahrt kommen…geschenkt. Ab nach Hause. Und wer kann, ab nach Klosterfelde!

“Lööde, mir sin hiör beim Fuuußboll und ned beim cöempping!”

Recht hat er, der garantiert linksoffene Ordner (” So völe Zöckn öffn Haufn…bäh”), als er diese Sätze uns beim Betreten des Areals dieses architektonischen Meisterwerks entgegenschleuderte, welches sich perfekt in das weitere Stadtbild dieser wunderschönen Metropole Magdeburg, in welcher nur der Dom und das “Hundertwasserhaus” (8,50 Euro der Quadratmeter….da kriegste in Potsdam `ne Garage in schlechter Lage) negativ herausstechen, einreiht. Wer Ironie findet, darf sie behalten. Zum Reihern war auch der Angst(h)(r)asenfußball unserer Mannschaft in der ersten Hälfte-> Da werden alle(!) Freistöße flach 15 Meter zurückgepasst und es wird keinerlei gefährliche Aktion nach vorne kreiert. Ich weiß, dass unsere Schwäche in der Offensive liegt, aber dass die Bördebonzen hinten total anfällig waren, sah man spätestens in den letzten Minuten, als Abwehrspieler Mihm als lebende Kanonenkugel für Angst und Schrecken sorgte. Zuvor wurde ein berechtigter Elfer gehalten, ein weiterer berechtigter verweigert und seitens Magdeboog die Latte getroffen. Viel mehr war auch nicht, der mögliche (dennoch unverdiente) Punkt wurde in den Schlusssekunden verdaddelt.

Stimmungsmäßig (knapp 200 Gäste) war es unsererseits ok, gemessen an der wenig aufputschenden Spielweise des Teams sogar gut, die Gegenseite habe ich bei 5 Besuchen jedesmal besser empfunden als gestern.

So, auf nach Bautzen und ma`richtisch auf`n Senf hau`n!

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