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Sonntags zum Italjena

Vorspeise:

Die Zugfahrt mit circa 60 Leuten verlief entspannt und zotenreich. Unterstützt durch etwas Polenfeeling aufgrund der “blühenden” Landschaften Sachsen-Anhalts und der teilweise völlig skurrilen Tags des großen FCM vergingen die 4 Stunden wie im Zug (höhö). Abzüge gibt es jedoch für die völlig sinnlosen und nicht erwiderten Pöbeleien gegen die Horda kurz nach Ankunft im Paradies.

 

Hauptgericht:

Die “zahle so viel du willst”-Aktion ging natürlich genauso gut rein wie die beiden “Bratwurstdealer”: Der eine versorgte mich, nachdem die erste Ladung Roster bereits nach 19 Minuten ausverkauft war (Dorfverein Jena?),mit den erstklassigen Würsten, das andere ist immer noch ein erstklassiges Ultrazine. In Letzterem wird, übrigens wie jedesmal, durchweg positiv über uns geschrieben. Auf dem Platz wie auch den Rängen können ähnliche Fazits gezogen werden:Unentschieden. Während unser Team nach einer etwas schläfrigen Anfangsphase immer besser wurde und hochverdient einen Punkt mitnahm, begann die, (leider) immer mehr schrumpfende Südkurve etwas lethargisch,um in der 2. Hälfte jene Schippe draufzulegen, die unser gut gestarteter Block gegen Ende des Spiels wegnahm. Applaus von uns für die Gedenkaktion der Jenenser, Applaus für uns aufgrund des Spruchbandes gegen den Thüringer Pegidaableger. Dazu keinerlei Pöbeleien….wie, was?? Ostultradeutschland ist empört, den Zwickauern, Dresdnern und Rostockern fällt vor Schreck die schwarze Windbreaker aus dem Ikeaschrank.

 

Dessert:

Im Gegensatz zur Vorspeise entschied ich mich bezüglich des Desserts für eine Autofahrt. Man nehme 1 betrunkene und eine halbbetrunkene Person,”die Kassierer” als erste Hörprobe und ab dafür. Dachte ich schon der Hinweg sei durch die verfallenen Gebiete unterhaltsam,kam ich nun aus dem Lachen nicht mehr raus: Auf dem Navigationsgerät erschienen als wenige Kilometer neben der Autobahn liegende Ortschaften nacheinander Unterkaka, Oberkaka und Pissen. Ich konnte nicht mehr, das war genau das Richtige für meinen partiellen Pennälerhumor. Abzüge gibt es für die 2 Ü-50-Jährigen Damen des Rasthofes “Osterfeld”, die sich laut sächselnd  über ihr (ausbleibendes) Sexualleben unterhielten (“Wööröum böstn öndn sö öng?”-“Nuuu,möch stöcht jö köna möa!”).

 

So, jetzt geht`s gegen den BFC (heute knapp 700 Zuschauer, aber bei uns wieder mit 1300 “Treuen” aufschlagen) und gegen die garantiert nicht boykottierenden Cottbusser.

AVANTI!

Gatuno – Unter Räubern auf Madeira

Die Atlantikinsel Madeira ist Ronaldo-Land. Hier ist er geboren. Hier gibt es ein CR7-Museum. Hier läuft auf der offiziellen Verbandsseite ein Ticker mit Nachrichten zum aktuellen Befinden des Real-Stars. Und hier gibt es den Verein, bei dem der junge Cristiano gegen den Ball trat, bevor er wusste, was Haargel ist. Dieser Verein existiert erstaunlicherweise immer noch, obwohl Ronaldo ihn als 15-Jähriger verlassen hat. Er heißt Clube Desportivo Nacional Madeira, spielt in der 1. Portugiesischen Liga und ist in Funchal beheimatet, der Hauptstadt Madeiras, die sich über einige Berghänge einer Meeresbucht erstreckt.

Hoch oben über diesem steil ansteigenden natürlichen Amphitheater, knapp unterhalb eines Gebirgskamms befindet sich die Heimspielstätte von Nacional. Das erlaubt spektakuläre Blicke vom Tribünenaufgang über Bucht und Stadt. Allerdings stauen sich auf der Nordseite des Kamms häufig Wolken an, die irgendwann über den Berg schwappen – eine Art Maloja-Schlange ohne Juliette Binoche. Dann wird es auch ohne Pyrotechnik im Stadion recht unübersichtlich, und man hat genügend Zeit sich ein billiges (90 Cent), aber leider alkoholfreies Bier zu holen, bevor der Schiri wieder anpfeift.

Das ist an dem Tag, da es vor knapp 2.000 Zuschauern gegen Belenenses geht, aber gar nicht nötig. Die Mannschaft aus dem Lissaboner Stadtteil Belem hat einen kleinen Außenstürmer mitgebacht, der in Körpergröße, Haltung und Bewegungsablauf an Lionel Messi erinnert, und ihm wie zur Provokation auch noch ein Trikot mit der Rückennummer 7 übergestreift. Ein im freien Raum unglaublich laufstarker Spieler, den sein Trainer irgendwann an die Seitenlinie beordert, um ihn ins Spiel einzubinden. Ohne Erfolg. Wie überhaupt die Mannen aus Belenenses in einem lebhaften Spiel recht glücklos agieren. Zwar gelingt ihnen kurz vor der Pause der Ausgleich, doch mit der erneuten Führung von Nacional ist das Spiel entschieden, auch wenn die Lissaboner am Ende in Überzahl sind.

Beim Stadionbesuch in fremden Landen lernt man nebenbei ein paar hübsche Vokabeln. Nach der zweifelhaften gelb-roten Karte für einen Spieler von Nacional skandiert das sonst sehr zurückhaltende Publikum lautstark „gatuno, gatuno“ – Räuber, Räuber. Das fußballerische Leitmotiv dieses Urlaubs. Apropos Support: Den gibt es bei diesem Spiel auch im Estadio da Madeira. Etwa zwei, drei Dutzend Leute mit drei Fahnen mühen sich redlich um stimmliche Präsenz, was sich aber zumeist im Rufen des Vereinsnamens (Nacional, Nacional usw.) erschöpft. Und beim Torerfolg der eigenen Mannschaft schnappen sich drei beleibtere Supporter die Fahnen und säckeln damit vor der Absperrung von links nach rechts und zurück, munter ins Publikum winkend. Ohne Zweifel: Man kennt sich hier.

Auf Madeira gibt es noch einen weiteren Erstligaklub, der ebenfalls in der Hauptstadt Funchal beheimatet ist und Maritimo heißt. Bei meinem Besuch auf der Insel hatte ich Glück. Binnen einer Woche waren dort die beiden Spitzenteams der Liga zu Gast: Benfica Lissabon und der FC Porto – und es gab einiges, auch Irritierendes zu sehen.

Das Stadion von Maritimo liegt in der Stadt, aber wenn man dort ist, ist man noch lange nicht drin, auch nicht mit Karte, die ich mir vorher schon besorgt habe. Man weiß ja nie. Als ich eine Viertelstunde vor Spielbeginn in der Schlange noch gut sechzig Meter vom Einlass entfernt bin und nicht vom Fleck komme, denke ich mir, geh mal nachschauen, nicht dass du an irgendeiner ausrangierten Pommesbude anstehst. Weit gefehlt. Ich war völlig richtig. Aber an der Kontrolle steht gerade mal ein Typ, und der telefoniert. Dem unterwürfigen Tonfall und dem genervten Gesichtsausdruck nach zu urteilen, spricht der Mann entweder mit seinem Chef oder mit seiner Schwiegermutter. Hin und wieder schaut er gelangweilt auf ein Ticket und winkt jemanden durch. Angesichts der Tatsache, dass nur einmal im Jahr (heute!) das Estadio dos Barreiros nahezu voll sein wird, eine freche Personalplanung. Ich überlege schon, ob es vielleicht sinnvoller wäre, in eine Bar auszuweichen, wenn ich das Spiel sehen will, als mich wieder anzustellen. Aber zwei ältere Fans mit Bierbechern beruhigen mich. Kurz vor Anpfiff käme der Ordner schon in die Gänge. Nicht ganz, aber zur 10. Minute bin ich dann auch im Stadion.

Freie Platzwahl (alles Sitzplätze wie überall in den besuchten Stadien), also nicht weit von den 50 bis 60 Ultras hingesetzt. Aber jetzt: wer ist wer? Auf dem Platz spielt rotgrün gegen grünrot. Die Ultras sind – wen wundert’s – auch in Grün und Rot gekleidet, und da sie die ganze Zeit singen, egal was passiert, sind sie bei der Orientierungsfrage nicht eben hilfreich. Also geschaut, wem das rotgrüne Publikum so zuneigt. Raunen und Beifall, so einfach ist das nicht. Dann endlich: In der 25. Minute fällt das erste Tor. Alle Rotgrünen um mich herum springen auf und jubeln. Tor für die Heimmannschaft? Weit gefehlt. Auf der Anzeigentafel steht es nicht grün auf rot, aber schwarz auf weiß: Benfica führt 1:0. Die Ultras lassen sich nichts anmerken und singen unverdrossen weiter. Selbst als es in der zweiten Halbzeit binnen zehn Minuten 0:4 steht. Jetzt müssen sie auch noch manchen Mittelfinger der Umstehenden ertragen. Was ist hier los? Ich höre mich ein wenig um. Natürlich sei man Madeirer, heißt es unisono, und man wünsche Maritimo auch alles Gute, aber Benfica sei eben Benfica. Und weiter? Nichts weiter. Das ist schon bitter: Da ist das heimische Stadion endlich mal mit rund 7.000 Zuschauern leidlich gefüllt und doch kein Heimspiel.

Auf dem Platz tut sich nicht mehr viel. Die einen versuchen, sich nicht anmerken zu lassen, dass sie schon verloren haben, und mühen sich um Haltung, die anderen darum, sich nicht zu verletzen. Hübscher anzusehen sind die umliegenden Berge im Abendlicht. Früher muss man von der Tribüne eine großartige Aussicht über Stadt und Bucht gehabt haben, aber seit einigen Jahren rührt man auch hier den Beton an. Auf drei Seiten umsteht nun schon kolossales mattes Grau die letzten Reste der alten fein geschwungenen Haupttribüne, in die sich langsam die Bagger fressen. Sinn und Zweck dieses Unterfangens dürften nicht mit Fußball zu begründen sein. Wahrscheinlich war gerade keine Autobahn auf Stelzen zu stellen und kein Tunnel durch die Berge zu bohren. Die Wahrheit liegt nicht immer auf dem Platz.

Eine Woche später gegen den FC Porto zunächst das gleiche Bild: schönes Wetter, viele Leute, lange Schlangen und der einsame telefonierende Schwiegersohn am Einlass. Dieses Mal bin ich zeitiger gekommen und schon vor dem Anpfiff im Stadion. Sicherheitshalber mal die Lage peilen. Aber meine Befürchtungen sind ganz umsonst: Porto spielt in Blau und Weiß. Das ist einfach. Auf den Rängen hinter den Toren halten sich Porto- und Maritimo-Fans die Waage, die Gegentribüne, wo stolze 37 Euro für das Ticket aufgerufen werden (hinterm Tor sind es immerhin auch noch 20 Euro), ist in einheimischer Hand; der Gästeblock ist, wie in der Vorwoche, sehr gut gefüllt. Das ist ein schönes und seltenes Bild, denn meist spielt man hier ohne Gästefans. Schließlich müssen die sich fürs Spiel einen Flieger chartern. Ein Problem, das die Madeirer Fußballfans alle zwei Wochen haben. Unter diesen Umständen, den mageren Zuschauerzahlen und den auch nicht ganz so üppigen Fernsehgeldern ist es beinahe ein kleines Wunder, dass sich gleich zwei Erstligaklubs auf der Insel halten können. (In der 2. Liga sind es ebenfalls zwei Vereine, Uniao Madeira und die Zweite von Maritimo, bei denen die Zuschauerzahlen häufig nicht einmal vierstellig sind.)

Auch auf dem Platz geht es diesmal anders zu. Zunächst ist es ein ausgeglichenes Spiel, selbst wenn man die spielerische Überlegenheit der Festländer allenthalben schon bemerkt. Als der Brasilianer Bruno Gallo nach einer guten halben Stunde für Maritimo einnetzt und die Mannen von Porto ihre Schockstarre überwunden haben, wird es einseitig, sehr einseitig. Aber auch das hat ja seinen Reiz, wenn die gnadenlos überlegene Mannschaft im Hintertreffen ist. Zumal die Madeirer etwa ab der 60. Minute die nun doch sehr ungleiche spielerische und kämpferische Auseinandersetzung um eine psychologische Dimension bereichern. Sie besinnen sich auf eine fast vergessene Figur aus dem Fußball der 1970er- und 1980er-Jahre: den Zeitschinder.

Im Minutentakt brechen nun in Grün und Rot gewandete Spieler auf dem Rasen zusammen, rufen nach Mutter und Vater, recken mit schmerzverzerrtem Gesicht Hände hilfesuchend gen Himmel. Andere scheinen den Verstand verloren zu haben, wissen nicht mehr, wo den Freistoß ausführen oder wie den Ball fangen, den ihnen der Balljunge zuwirft. Es ist ein Schauspiel! Und der aufsteigende Hass der Männer aus Porto ist auch auf der Tribüne von Minute zu Minute deutlicher zu spüren. Erstaunlicherweise gibt es keine Schwerverletzten und nur einen Platzverweis. Es bleibt schließlich beim völlig unverdienten 1:0. Beim nächsten Aufeinandertreffen wäre ich gern dabei. Denn wehe, wenn der “gatuno in die Fänge des Häschers gerät.

Aber es geht immer noch schlimmer. Wenige Tage später muss CD Portosantense in Camara de Lobos antreten, einer Nachbargemeine von Funchal. Camara de Lobos war einmal der Fischereihafen auf Madeira, heute gilt es als Armenhaus der Insel. Das sagt etwas über den Niedergang dieses ehrwürdigen Berufsstandes. Und wenn man ins kommunale Stadion fährt, weiß man auch, wer ihm längst den Rang abgelaufen hat: der Betonfacharbeiter. Überall auf dieser nirgendwo planen Insel sind Stützmauern nötig, für die Befestigung der Grundstücke, auf denen die Häuser stehen, ebenso wie für die kleinteilige Terrassierung der Berge, um das Nötigste anzubauen. Wo früher mühsam Feldsteine aufeinandergeschichtet wurden, fließt heute schier unerschöpflich der Beton aus den Mischmaschinen. Nicht nur für Mauern und Fundamente. Jetzt sind auch Landebahnen und Schnellstraßen auf Stelzen im Programm, Hotels, Tunnelröhren, Wellenbrecher – und eben Fußballstadien. Auch in Camara de Lobos. Da hat man eine schicke, für die Regionalliga (4. Liga) vielleicht etwas überdimensionierte Tribüne mit 2.500 Sitzplätzen hingegossen. Eine gewaltige Stützmauer läuft elegant hinter dem Tor bis auf die Gegenseite aus und verschafft Spielern, Trainern und dem Schiedsrichter eine Resonanzfläche, die jeden Schrei und jeden Pfiff mehrfach auf die Tribüne zurückwirft. Etwas gewöhnungsbedürftig. Aber die vielleicht 180 Zuschauer (erstaunlich jung und hip) stören sich nicht daran, zumal auf dem Rasen einiges geboten wird.

Die Mannschaft aus Porto Santo, der kleinen Badeinsel, zweieinhalb Fährstunden von Funchal entfernt, ist nur mit 13 Spielern angereist. Wahrscheinlich eine Frage des Geldes, denn Hin- und Rückfahrt kosten auch für Einheimische mehr als 30 Euro. Doch Sparsamkeit zahlt sich nicht immer aus, das wissen auch die Griechen. Mitte der ersten Halbzeit verletzt sich Portosantenses Torwart bei einer Parade und kann auch nach längerer Behandlung nicht mehr gerade stehen. Von den beiden Ersatzspielern ist offensichtlich keiner ein Torwächter. Es bleibt also ein Fragezeichen im Strafraum der Kleininsulaner. Zu dem Zeitpunkt steht es 1:1. Als wolle er ein Zeichen der Solidarität setzen, lässt der heimische Keeper kurz nach dem Wechsel einen aber so was von völlig harmlosen Weitschuss durch die Finger gleiten, dass selbst das Echo für einen Moment verstummt.

Wütend berennen daraufhin die Nachfahren der Fischersleute das Tor des maladen Torwarts, der zwar kaum noch gehen und stehen, aber dafür noch springen kann. und wie! Nur das Aufstehen fällt zusehends schwerer. Der schon in der ersten Halbzeit gelegentlich etwas undurchsichtig pfeifende Schiedsrichter erhöht in der 56. Minute die Betriebstemperatur, als er einen Portosantenser nach einem Allerweltsfoul vom Abwehrkampf befreit. Jetzt sind auch die Gäste wütend. Kurz darauf – es ist nicht ganz klar, ob seinen Schmerzen geschuldet oder dann doch einer emotionalen Überreaktion – streift das Fragezeichen beim Abschlag aus der Hand mit seinem Fuß nur den Ball, trifft aber dafür das Gesäß des vor ihm kreuzenden Mittelstürmers perfekt. Holla! Eine allgemeine Aufregung hebt an, nicht nur auf der Tribüne. Der Schiedsrichter wertet es als unglücklichen Zufall und lässt weiterspielen. Vielleicht ist ihm alles aber auch zu unübersichtlich, jedenfalls schickt er in der 77. Minute einen weiteren blau-weiß gewandeten Gast vor die Tribüne. Da sitzen sie nun, von den Zuschauern mäßig verhöhnt und schon bald von zwei der vier im Stadion anwesenden Uniformierten bewacht. Es ist unklar, ob zu ihrem Schutz oder zu ihrer Demütigung.

Inzwischen hat die Flurbereinigung ein erstes Ergebnis gezeitigt: Ausgleich, 2:2. Dass die Fischersöhne wenig Mitleid aufbringen und jetzt erst recht auf Sieg drängen, wer wollte es ihnen verdenken? Mal nicht die Arschkarte haben. So eine Chance bietet sich nicht jeden Spieltag. Sie flanken, köpfen und schießen aus allen Lagen. Doch der Gäste Tor scheint wie verzaubert. Da schlägt Fishermen’s Friend – nach einer, was soll man sagen: Schutzhand? – in der 87. Minute ein drittes Mal zu. Da waren’s nur noch acht.

Nun endlich ist der Bann gebrochen, und es fällt in der Nachspielzeit das erlösende Siegtor. In den Jubel der heimischen Zuschauer mischt sich eine leichte, fassungslose Heiterkeit ob des kuriosen Spielgeschehens. Wer weiß, wenn Gästefans zugegen gewesen und ein klagendes „gatuno, gatuno“ angestimmt hätten, es hätte ihnen wohl keiner übel ausgelegt. Ein denkwürdiger Tag, und dazu noch bei freiem Eintritt. In Babelsberg würde man sagen: Wat denn, wat denn – typisch 4. Liga! Auf jeden Fall beste Unterhaltung auch ohne die Großen aus Lissabon und Porto, vom wunderbaren Ronaldo ganz zu schweigen.

Der begegnet mir erst wieder auf der Fahrt zum Flughafen. Sein Sohn sei mit Cristiano zur Schule gegangen und habe mit ihm auf der Straße Fußball gespielt, erzählt mir der Taxifahrer voller Begeisterung. Was für ein Junge, und immer an sich gearbeitet! Aber auch zu Späßen und zu Streichen aufgelegt! Ein wunderbarer Kerl! Und jetzt folgt eine Anekdote auf die andere, dass ich schon glaube, den Verfasser der Tickermeldungen auf der Verbandsseite vor mir zu haben. Da fällt mein Blick auf die Taxiuhr. Sie ist aus. Oh weh, das kann teuer werden. Der Schwiegerfreund Ronaldos sieht mich an und lacht: „Freundschaftspreis für Fußballfreund.“ Von wegen „gatuno“.

 

So `nen Spielbericht

Viel schönes dabei: Mal wieder ein Flutlichtspiel an einem Freitag Abend – schön! Lauter und durchgängiger Support – schön! Ein Gegentor – nicht schön! Ein Tor unserer Mannschaft – schön! In der zweiten Halbzeit nach vorne gedrückt – schön! Trotzdem keine der Torchancen umgesetzt – nicht schön! Einen Punkt eingesackt – schön! Am Sonntag mehr Chancen umsetzen, wieder so gut supporten im Paradies, drei Punkte mit nach Hause nehmen – Das wäre sehr schön!

2 Spiele, 0 Punkte.

Erstes Heimspiel nach der Winterpause und zu Gast waren die Grödewes aus dem schönen!!!! Magdeburg (Grüße an Block U ;-)) und selbst 6 Tage danach könnte ich mich immer noch über diese lahmarschige Nordkurve aufregen. Da kommen ernsthaft irgendwelche noch nie zuvor gesehene Hipster zu unserem ZujezogenausdemBlockAnheizer und äußern Sätze wie “Hey, wenn du mich netter ansprechen würdest, würde ich ja mitsingen” oder “Ich muss mich angesprochen fühlen, um mitzusingen….”. Ehrlich, dann lieber mit 70 Leuten in Auerbach stehen, als sich so eine Gülle anhören zu müssen. Stimmungsmäßig also ein klares Heimspiel für die Gäste, welches die 2700 Hopper auf der Tribüne wohl genauso in ihre Fanzines hauen werden. Ansonsten blieb es, bis auf einen völlig bescheuerten Böller, ruhig. Das Spiel selbst wurde nach schwacher zweiter Hälfte verdient verloren, auch wenn unsere Mannschaft sicher nicht enttäuschte. Einen kleinen Erfolg gab es immerhin bezüglich unseres Solimampfens, noch einmal Danke an alle Spender.

In Neustrelitz waren die Voraussetzungen natürlich anders, der beste Support (50 Leute konstant) seit vielen Spielen (das hat wohlgemerkt nicht viel zu heißen) sorgte für ein Heimspiel. Dass es jedoch keines war, wurde einem beim Anblick des Thor Steinar Ordners relativ schnell bewusst-> vielleicht kann ja einer der drei(!!!) Mitarbeiter des gestern gegründeten Neustrelitzer Fanprojekts diesbezüglich tätig werden, die Zeit hierfür sollte es geben………Spiel,trotz Überlegenheit, erneut verloren. Davor und danach prägten kurzweilige, süffige Zugfahrten durch Dunkeldeutschland und eine vorbildlich agierende (!!!!) Polizei, sowie ein 1 zu 48-Matchangebot eines Rostockers (Ahu!) den insgesamt unterhaltsamen Tag.

SOLIMAMPFEN

 

KATERFRÜHSTÜCK, MITTAGESSEN ODER DER SNACK ZUM BIER.

MIT VOLLEM MAGEN DIE GRÖßTEN DER WELT WEGFEIERN!

VOR UND NACH DEM SPIEL AM FANLADEN !

 

 

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★ 28. Februar 2015 ★ 20 Uhr ★ Spartacus
WER? WIE? WAS? SOLISAUSE

mit Sektempfang, Infos von der Roten Hilfe und der Initiative AKtE zu Schutzmenschen in der Kurve sowie Disko mit DJ Team Ramrod und DJ Slingshot

Die Initiative „Fußballfans beobachten Polizei“ kommt zurück. Eigentlich waren wir nie wirklich weg. Wir waren bei jedem Spiel. Ob auswärts oder zu Hause. Wir waren dabei. Wir hatten uns nur ein wenig versteckt, gehen nun aber wieder an die Öffentlichkeit. Denn neun Jahre nach der Gründung hat sich wenig geändert. Fans werden von einem massiven Aufgebot uniformierter und ziviler Sicherheitsbeamt*innen begleitet und wie in Berlin auch angegriffen. Spiele des SV Babelsberg 03 werden vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Situation vor allem bei Auswärtsspielen ist weiterhin angespannt und in einigen Stadien verdammt ungemütlich. Es gibt also immer noch viel zu tun. Nach wie vor heißt es: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Und deshalb sind wir wieder da! Und wir haben viel vor!

Unser erster Coup ist unser Comeback. Seid dabei, wenn wir uns noch bunter, noch größer und noch frecher dem interessierten Publikum vorstellen. Ausdrücklich betonen möchten wir allerdings, dass uniformierte und zivile Polizist*innen sowie ihre bezahlten Berichterstatter*innen auf unserer Feier nicht erwünscht sind und vom Besuch Abstand nehmen sollten. Alle anderen sind herzlich eingeladen, bei der spektakulären Rückkehr der grandiosen Initiative „Fußballfans beobachten Polizei“ dabei zu sein.

Also: Kommt vorbei! Lasst euch von der Roten Hilfe und der Initiative AKtE über “Die Kurve zwischen Freiraum und Repression” informieren! Und feiert mit uns bis in den Morgengrauen! Allez Nulldrei!

 

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Unnötig

Sicherlich ist obenstehendes Adjektiv das Wort des gestrigen Samstages, denn unnötig war so einiges.

Unnötig Teil 1: Eine Hundertschaft für unsere poplige Fanszene bei solch einem “Risikospiel”.

Unnötig Teil 2: Klatschpappen zur Stimmungsförderung im Heimbereich.

Unnötig Teil 3: Das Spiel wird mit 19 Minuten Verspätung angepfiffen, damit der türkische Konsul auch ja nix verpasst.

Unnötig Teil 4: Wenig Motivation und nur ein paar Höhen bei den circa 400 Gästefans und gefühlte 20*mal “Cottbusser Arschlöcher”!?!?

Unnötig Teil 5: Klar überlegen gestaltetes Spiel, 85 Minuten alles im Griff->0:1.

Unnötig Teil 6: Bekannter Lokist als Ordner.

Unnötig Teil 7: Erneut Rangeleien unseres Teams nach dem Apfiff.

Unnötig Teil 8: Um, siehe Unnötig Teil 1, die Ausgaben zu begründen, völlig sinnfreie Zugriffe auf Jugendliche seitens der Polizei mitsamt hanebüchener Anschuldigungen.

Unnötig Teil 9: Es gibt kein Gratisbier in der DB-Lounge.

Unnötig Teil 10: Nachts im Suff noch schön in Hundescheiße gelatscht….mehr Metapher geht nicht.

03 vs. Zwigge

Die Vorfreude – sie war groß. Endlich wieder Fußball im Karli, endlich mal wieder, nach einer gefühlten Ewigkeit, die Hoffnung auf einen gut gefüllten Gästeblock. Zudem hatte die Partie gegen Zwickau einen Hauch von Spitzenspiel, zumindest auf dem Papier. Die Vorzeichen standen also gut.
Zum Einlauf unserer Equipe warteten das FI mit einer beachtlichen Choreo zu ihrem 15. Geburtstag auf, flankiert mit ein bisschen Rauch und ein paar Kerzen, welche den grauen November Himmel erhellten. Der Rauch verzog sich Richtung Babelsberg Park und das Spiel konnte beginnen.
Der Gästeblock war verhältnismäßig gut gefüllt, zumindest im Vergleich zu den letzten Partien gegen die Zuschauermagneten Auerbach und Plauen. Die Stimmung auf dem Rängen, hüben wie drüben, war, naja, sagen wir durchschnittlich. Red Kaos war nicht besonders laut, brachten aber durchgängigen Support zustanden. Die Nordkurve, wie schon bei den letzten Auftritten, sehr durchwachsen. Da ist deutlich Luft nach oben.
Zum Spiel: Zwickau spielte aus einer sicheren Defensive heraus einen schnellen Ball Richtung Babelsberger Tor. Unsere Equipe geriet von Anfang an unter Druck, konnte nur selten Entlastungsangriffe starten, der Führungstreffer für Zwigge demnach folgerichtig und verdient. Gleichermaßen verdient, das 0:2 in Durchgang zwei. Hoher Ball in den Rücken der Abwehr und mit dem Kopf vollendet. Das sah nicht gut aus. Nach dem abermaligen Rückstand machten unsere Blauen mehr nach vorne, wurden sicherer und spielten weniger ängstlich. Es gelang der Anschlusstreffer durch Laurin. Trotz deutlich mehr Zug zum Tor, blieb es letztlich beim 1:2.
Und was ist diese Niederlage unterm Strich? Scheißegal! Denn, die Mannschaft macht Spaß, kämpft, zeigt Einsatz, Wille und, wer hätte das vor dieser Spielzeit zu erhoffen gewagt, schöne Spielzüge! All das, was wir letzte Saison so bitterlich vermissten. Vor dem Hintergrund ist es auch mehr als bitter, das das Karli immer leerer zu werden scheint. 1800 Zahlende gegen Zwickau sind deutlich zu wenig.
Keineswegs scheißegal ist allerdings, dass der Assifaktor im Gästeblock relativ hoch war. Block A braucht kein Mensch, genauso wenig wie „Gott mit uns“ Banner!
Wir sehen uns Freitag!

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